Abschlussbericht der "Radarkommission" vorgelegt und verfügbar

Nachdem die im September 2002 eingesetzte unabhängige Expertenkommission zur Frage der Gefährdung durch Strahlung in früheren Radareinrichtungen der Bundeswehr und der NVA (Radarkommission) Anfang Juli ihren Abschlussbericht vorgelegt hat, ist dieses 185-seitige Papier nun von der Homepage des Bundesamts für Strahlenschutz herunterladbar.

Darin wird die krebsauslösende Wirkung allein der ionisierenden Strahlung (Röntgenstörstrahlung und radioaktive Leuchtfarben) zugeschrieben und nicht den hochfrequenten Abstrahlungen der Radarantennen. Diesen Aspekten der nicht-ionisierenden Hochfrequenzfelder werden dabei als sehr informative Übersicht von Wirkungsmechanismen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über 30 Seiten gewidmet.
Da in der Vergangenheit manche Mobilfunkkritiker einen Zusammenhang von diesen "Radarschädigungen" mit befürchteten Gefährdungen durch den Mobilfunk herstellen wollten, wird weiter unten auf dieser Seite mit Informationen aus diesem Bericht ein Einblick in die betrachteten Grössenordnungen der "Radarstrahlen" gegeben.

Doch zuerst die Pressemitteilung des Bundesamts für Strahlenschutz, zuletzt aktualisiert am 07.07.03:

Radarkommission legt Abschlussbericht vor

Breiter wissenschaftlicher Konsens erzielt

Die im September 2002 eingesetzte unabhängige Expertenkommission zur Frage der Gefährdung durch Strahlung in früheren Radareinrichtungen der Bundeswehr und der NVA (Radarkommission) unter Leitung von Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, hat heute in Berlin ihren Abschlussbericht vorgelegt.

Im Zentrum der Tätigkeit der Radarkommission stand die Bewertung von strahlungsbedingten gesundheitlichen Risiken, die durch die frühere Tätigkeit an militärischen Radaranlagen aufgetreten sein können.

Hier spielt die sogenannte Röntgenstörstrahlung die wichtigste Rolle. Bei Exposition gegenüber ionisierender Strahlung empfiehlt die Kommission zunächst alle bösartigen Neubildungen (Krebserkrankungen), mit Ausnahme der Chronisch Lymphatischen Leukämie, als qualifizierend zu betrachten und darauf aufbauend die Anerkennungsverfahren auf berufsbedingte Erkrankung durchzuführen.

Bei vielen Antragstellern liegt die Tätigkeit jedoch schon Jahrzehnte zurück. Eine rückwirkende Ermittlung der Belastung ist in solchen Fällen nicht mehr möglich. Für diese ehemaligen Beschäftigten der frühen Phase empfiehlt die Kommission eine Gruppenlösung. D.h. bei bestimmten Tätigkeitsprofilen und qualifizierenden Erkrankungen sollte generell eine Anerkennung erfolgen.

Für spätere Zeiträume kann eine individuelle Abschätzung der Belastungen auf Grund vorliegender Messwerte der Strahlung vorgenommen werden. Aus den Belastungswerten sollten die Verursachungswahrscheinlichkeit für die Erkrankungen ermittelt werden. Für einige wichtige Radargeräte liegt diese Zeitspanne zwischen 1975 und 1985.

Nach dieser Phase können nennenswerte Belastungen praktisch ausgeschlossen werden, da wirkungsvolle Strahlenschutzmaßnahmen ergriffen worden waren.

Bei eng abgegrenzten Tätigkeiten konnten in den Anfangsjahren der Bundeswehr relevante strahlenbedingte Belastungen durch radioaktive Leuchtfarben auftreten. Die Kommission empfiehlt für diesen Zeitraum vor der Umsetzung wirkungsvoller Strahlenschutzmaßnahmen die individuelle Ermittlung der Strahlenbelastung über ein spezielles Messverfahren.

Die eigentliche hochfrequente Radarstrahlung wird nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht als krebsauslösend angesehen. Hier stehen mögliche thermische Wirkungen im Vordergrund.

An militärischen Radaranlagen hat es Arbeitsplätze in geringer Entfernung von leistungsstarken Radarantennen gegeben, für die das Risiko einer Überexposition als nicht unerheblich bewertet werden muss. Bei Vorliegen der qualifizierenden Erkrankung, in diesem Falle der Katarakt, einer Trübung der Augenlinse, und entsprechendem Tätigkeitsprofil, empfiehlt die Kommission eine Anerkennung als berufsbedingte Erkrankung.

Die Kommission hat eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen für die Anerkennungsverfahren vorgelegt. Unter anderem sollten alle Antragsteller, die bestimmte Bedingungen hinsichtlich der Erkrankungen erfüllen, vor der Bescheiderteilung angehört werden. Die Kommission kann darüber hinaus keinen fachlichen Grund für die derzeitige Praxis erkennen, die Strahlenbelastungen der Antragsteller je nach Beschäftigtenstatus unterschiedlich zu bewerten.

Die frühere Vorsitzende der Strahlenschutzkommission Frau Prof. Maria Blettner und Wolfram König drückten bei der Übergabe des Abschlussberichts ihre Hoffnung aus, dass die im breiten wissenschaftlichen Konsens erarbeiteten Kommissionsempfehlungen, den Weg für eine von möglichst allen Beteiligten akzeptierte Lösung des Radarstrahlenproblems ebnen.

Die siebzehnköpfige Kommission repräsentiert ein breites Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen und Lehrmeinungen. Nachdem es in der Vergangenheit kontroverse Diskussionen über die möglichen gesundheitsschädigenden Folgen der Strahlenbelastungen durch die Tätigkeit an Radaranlagen gegeben hatte, war die Kommission auf Anregung des Verteidigungsausschusses vom Bundesverteidigungsministerium eingesetzt worden.

Die Kommission wertete eine große Zahl von Daten, Dokumenten und wissenschaftlichen Publikationen aus. Zur Bewertung der Arbeitsplatzsituationen wurden außerdem eine Reihe noch existierender früherer Radaranlagen besichtigt und Anhörungen weiterer Sachverständiger und Betroffener durchgeführt.

 
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte unter der Telefonnummer 0171-3323551 an Herrn Klaus Gehrcke.

 

Radarkommission legt Abschlussbericht vor
Von dieser Seite mit der Pressemitteilung des BfS auf dessen Homepage kann der Bericht und eine Zusammenfassung heruntergeladen werden.
Auszug aus dem Bericht der Radarkommission vom Juli 2003 zu spezifischen epidemiologischen Studien im Mikrowellenbereich (Radar)

 

Kurzinformation zu den betrachteten "Radarstrahlen":

In dem Bericht werden zwei Radarsysteme eingehend beschrieben, daraus als Zusammenfassung:

Waffensystem "Nike":
Dieses System arbeitete mit Pulsleistungen von mehr als 1 MW, im Hauptstrahl traten Leistungsflussdichten von über 100 mW/cm²
Durch entsprechende Installation war eine Überschreitung des sogenannten STANAG-Grenzwertes von 10 mW/cm² jedoch nur in Ausnahmefällen möglich.
Waffensystem "HAWK":
Diesem System wird wegen seiner Betriebsweise das höchste Gefährdungspotenzial zugeschrieben. So ergaben nachgestellte Szenarien sowie die Auswertung von Messungen die Möglichkeit einer Immission von bis zu 150 mW/cm²

Bei Reparaturarbeiten an diesen und anderen System konnten in der Werkstatt unter ungünstigen Bedingungen Immissionen bis 20 mW/cm² auftreten.

 
Ein Wort zu den Grenzwerten:

Die in Deutschland für die Allgemeinbevölkerung geltenden Grenzwerte nach den Richtlinien der ICNIRP liegen bei 10 W/m², das entspricht 1 mW/cm².
Der im militärischen Bereich früher gültige Grenzwert (STANAG) lag dagegen bei dem zehnfachen Wert, nämlich bei 10 mW/cm². Der dort heute gültige Grenzwert liegt bei 5 mW/cm² (ICNIRP-Grenzwert für berufliche Exposition).

 

Mehr Information:

Strahlenbelastung durch Radaranlagen
Eine Übersicht in Medicine Wordwide, dort gibt es auch ein dazugehöriges Forum.
Radargrundlagen
Homepage mit vielen technischen Informationen

 

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Zuletzt geändert: 03.09.03