Ärzte und "Elektrosmog"

 
Ärzte spielen in der Diskussion um mögliche gesundheitliche Wirkungen von elektromagnetischen Feldern eine wichtige Rolle. Sie sind oft nicht nur die ersten Ansprechpersonen für Personen, die ihre Gesundheitsprobleme auf EMF zurückführen, sondern man erwartet von ihnen zudem eine kompetente Einschätzung eventueller Risiken mit entsprechenden Empfehlungen.
 

Allgemeines

Prof. Dr. Andreas D. Kappos von der Bundesärztekammer fasst in der Veröffentlichung "TECHNIKFOLGENABSCHÄTZUNG – Theorie und Praxis" vom Dezember 2008 des Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) in seinem Beitrag "Das Mobilfunk-Risiko aus ärztlicher Sicht" die sich Ende 2008 dem Arzt präsentierende Situation wie folgt zusammen (Einleitung):

Auch die Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms räumen nicht alle Bedenken bezüglich der gesundheitlichen Unbedenklichkeit elektromagnetischer Felder aus. Dies betrifft insbesondere die Langzeitwirkungen, deren Bedeutung für die Gesundheit des Menschen aus methodischen Gründen zurzeit epidemiologisch nicht abzuklären ist.
Aus präventivmedizinischer Sicht ist deshalb eine Minimierung der Exposition zu fordern. Das dabei zu beachtende Risikokommunikationsproblem wird aufgezeigt.
Klinisch ist die Frage einer Existenz des Phänomens „Elektrosensibilität“ bisher ungelöst. Dies wird anhand eines Beispiels aufgezeigt. Unbestritten ist, dass in der klinischen Praxis tätige Ärzte mit schwer leidenden Patienten konfrontiert werden, die ihre Beschwerden auf die Exposition mit EMF zurückführen. Ärztliche Aufgabe ist es, diesen Patienten die bestmögliche Hilfe zu gewähren.

Kompletter Artikel

Einen umfangreichen Artikel zur speziellen Thematik "Arzt und Elektrosensibilität" findet man in der Ausgabe 2/07 der Fachzeitschrift "Oekoskop", des Magazins des schweizerischen Vereins der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz:

Was mache ich mit "Elektrosmog-Patientinnen" in der Hausarzt-Praxis? (Gesamtes Heft, 926 KB)

 

Umfragen unter Ärzten

Risiken elektromagnetischer Felder aus Sicht deutscher Allgemeinmediziner (2009)

Für diese Umfrage für ein Projekt des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms wurde an 1.867 Allgemeinmediziner ein langer Fragebogen und an 928 ein kurzer Fragebogen verschickt. Unter den Rückantworten stimmten 57,5% bzw. 37,3 % der Ärzte der Aussage zu, dass es Menschen gibt, die durch elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte gesundheitliche Probleme hätten.

Aus dem Fazit des BfS:

Das Phänomen der wegen EMF besorgten oder sich durch EMF beeinträchtigt fühlenden Personen ist nicht zu unterschätzen. Bei zwei Drittel der befragten Ärzte sprachen im Median 3 Patienten im Jahr wegen EMF-Beschwerden vor. Laut den jährlichen Umfragen des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft fühlen sich ca. 9 % der deutschen Bevölkerung durch EMF als gesundheitlich beeinträchtigt.

Ein beträchtlicher Anteil der Ärzte hat im Vergleich zu der aktuellen wissenschaftlichen Risikobewertung eine zu hohe Risikowahrnehmung bzgl. EMF. Dies kann u. a. auf die selbst geäußerte schlechte Informiertheit der Ärzte zurück zu führen sein. Es gilt, den Ärzten die aktuelle wissenschaftliche Risikobewertung zu EMF näher zu bringen, damit die Ärzte darauf bei ihrer beratenden Tätigkeit zurückgreifen können. Dies vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Empfehlungen der Ärzte teilweise erhebliche Konsequenzen für den Patienten haben können.

Komplette Zusammenfassung und zum Download des Abschlussberichts

 
Erschienen auch als:  Wie schätzen Allgemeinmediziner die Risiken durch elektromagnetische Felder ein? (2010)
Berg-Beckhoff, Gabriele; Heyer, Kristina; Kowall, Bernd; Breckenkamp, Jürgen; Razum, Oliver
MEDIZIN: Originalarbeit, DOI: 10.3238/arztebl.2010.0817
 
German wide cross sectional survey on health impacts of electromagnetic fields in the view of general practitioners
Kowall B, Breckenkamp J, Heyer K, Berg-Beckhoff G, Int J Public Health 2009 (Abstract mit Link zum kompletten Text)

 

Befragung von Ärztinnen und Ärzten zum Thema elektromagnetischer Felder in der hausärztlichen Praxis (2005)

Bei dieser vom Schweizerischen Bundesamt für Gesundheit (BAG) beauftragten Befragung sollten Informationsstand, Einstellung, Bedürfnisse und Erfahrungen von Allgemeinärztinnen und -ärzten in Zusammenhang mit EMF in Erfahrung gebracht werden.

Diskussion und Schlussfolgerungen aus dieser Studie (Zitat):

Die vorliegende Studie liefert Hinweise dafür, dass Hausärzte das Thema elektromagnetische Felder und Gesundheit heterogen einschätzen. Auf der einen Seite vermutet eine Mehrheit der Befragten gesundheitsschädigende Wirkungen durch elektromagnetische Felder wie sie im Alltag vorkommen. Auf der anderen Seite wurde auch gesagt, dass EMF nicht zu den dringendsten Problemen in der hausärztlichen Tätigkeit gehören. Zudem ist die relativ tiefe Ausschöpfungsquote von 28 Prozent ein Indikator dafür, dass das Thema bei einem Teil der Ärzteschaft auf kein Interesse stösst. Vertiefte Analysen lieferten Hinweise, dass aufgrund der relativ geringen Ausschöpfungsquote EMF-kritische Ansichten bei dieser Erhebung im Vergleich zur gesamten Ärzteschaft etwas übervertreten sind. Nichtsdestotrotz fällt die grosse Diskrepanz zwischen der ärztlichen und der wissenschaftlichen Bewertung des Phänomens auf.
Die kritische Haltung der Ärzte scheint weniger in der einschlägigen Praxiserfahrung begründet zu sein, als in einer grundsätzlich präventiven Grundhaltung in Anbetracht von wissenschaftlichen Unsicherheiten.

Zugehörige Informationsseite des BAG

 

Elektrosensibilität und Komplementärmedizin: Fragebogenerhebung bei Kompelementärmedizinern in der Schweiz (2005)

Die Kollegiale Instanz der Komplementärmedizin (KIKOM) der Universität Bern hat im Auftrag des BAFU (früher: BUWA)L bei Schweizer Ärztinnen und Ärzten mit komplementärmedizinischem Angebot eine Fragebogenerhebung zum Thema Elektrosensibilität durchgeführt. Hauptziele der Studie waren die Erfassung, wie stark das Thema Elektrosensibilität bei den Komplementärmedizinern ein Thema ist, sowie die Erhebung der angewendeten komplementärmedizinischen Diagnostik- und Therapiemethoden.

Resultate der Befragung (Zitat):

  • In 71% der antwortenden Praxen ist schon der Verdacht aufgetaucht, dass die Exposition nichtionisierender Strahlung im Niedrigdosisbereich eine mögliche Ursache der Gesundheitsprobleme der Patienten ist.
  • Dieser Verdacht wurde dreimal häufiger von den Komplementärmedizinern als von den Patienten genannt.
  • Die durchgeführte Umfrage ergab, dass vorwiegend die komplementärmedizinisch erweiterte Anamnese als Diagnostikmethode den Verdacht erhärtet.
  • Die Vermeidung der Exposition ist eine der am häufigsten angewendeten Therapiemethoden der Komplementärmediziner, um die Gesundheits- oder Befindlichkeitsprobleme der Patienten zu lindern. Von den Komplementärmedizinern mit Erfahrung in der Therapie von Elektrosensibilität setzen 69% auf Expositionsprophylaxe, teilweise unterstützt durch komplementärmedizinische Therapieverfahren.

Aus dem vorliegenden Bericht ist klar zu entnehmen, dass Elektrosensibilität auch in den komplementärmedizinischen Praxen ein aktuelles Thema ist und die verwendeten Diagnostik- und Therapieverfahren sich mit der klassischen Schulmedizin in mancherlei Hinsicht decken.

Zugehörige Informationsseite des BAFU

 

Macht Elektrosmog krank? Eine Umfrage unter Österreichs Allgemeinmedizinern (2005)

Diese statistische Untersuchung unter den Allgemeinmedizinern Österreichs wurde durchgeführt, um die Häufigkeit von sich selbst als "elektrosensibel" beschreibenden Patienten und die Meinung der österreichischen Ärzte über die potentielle Gesundheitsrelevanz elektromagnetischer Felder im Alltag zu erfassen.

Aus dem Abstract (Zitat):

Nur ein Drittel der befragten Ärzte berichtet, niemals von Patienten über die gesundheitliche Bedeutung von Elektrosmog befragt zu werden, zwei Drittel geben an, gelegentlich oder häufig von Patienten konsultiert zu werden, die von ihrer elektromagnetischen Überempfindlichkeit überzeugt sind. Ein überwältigender Prozentsatz von bis zu 96 % schließt einen gesundheitsrelevanten Einfluss von Elektrosmog nicht aus und nur 39 % diagnostizieren niemals einen Zusammenhang zwischen Gesundheitsbeschwerden und Elektrosmog.
Allerdings scheint ein großer Informationsmangel zu herrschen. Das Wissen über Elektrosmog, die bestehenden Grenzwerte und die Größe der elektromagnetischen Umgebungsfelder im Vergleich zu ihnen ist gering, und 99 % der Ärzte empfinden die Informationen über elektromagnetische Überempfindlichkeit als nicht ausreichend.

Kompletter Abstract der Studie von N. Leitgeb et al.


 

Ärzte-Appelle

Beginnend mit dem "Freiburger Appell" im Jahr 2002 gelang es einer Minderheit von mobilfunkkrtischen Ärzten unter Mitwirkung verschiedener anderer Akteure eine Reihe von Berufskollegen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und verschiedene "Ärzte-Appelle" auf den Weg zu bringen. Unter Verwendung unqualifizierter Erhebungen und spekulativer Behauptungen stellen sie dabei immer wieder inhaltlich vergleichbare Forderungen mit teilweise absolut unrealistischer Ausprägung auf, die zusammen mit weiteren Aktivitäten auf folgender Seite vorgestellt und bewertet werden:

Mobilfunkkritische Ärzteinitiativen und -appelle

 

 

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Zuletzt geändert: 11.12.10