Elektrosmog und Mobilfunk

 
Weshalb verbinden so viele Menschen Elektrosmog mit dem Mobilfunk und fürchten sich davor? Ein Versuch der Darstellung der Zusammenhänge:


Die Vielzahl macht's

Rundfunk und Fernsehen kennt und nutzt wohl jeder - auch dafür werden (sehr starke) Sender benötigt und die Umwelt mit "Elektrosmog verschmutzt". Doch diese in Deutschland etwa 4.500 Sendestationen verteilen sich recht weitläufig und sind zudem gerne weitab der öffentlichen Aufmerksamkeit aufgebaut.
Ganz anders beim Mobilfunk! Dafür gab es in Deutschland bereits im September 2001 nach einem stürmischen Aufbau in den 90er-Jahren an gut 40.000 Standorten insgesamt fast 54.000 Mobilfunk-Basisstationen, die an etwa 170.000 Antennen angeschlossen waren, zudem noch oft in Wohngebieten oder gar als Zierde auf den Kirchen.
So kommt es, daß sehr viele Menschen "Elektrosmog" alleine mit Mobilfunk gleichsetzen, ungeachtet der Tatsache, daß wir seit bald 100 Jahren von künstlich erzeugten elektromagnetischen Feldern umgeben sind, wenn auch deren Vielfalt und Stärke ständig wächst.

Mobilfunkantennen auf vielen Dächern

 
Und die Handys?

Auch Handys erzeugen "Elektrosmog", für den der eines benutzt sogar noch weitaus mehr als für den Nachbar einer Mobilfunkantenne. Aber - das Handy kann man abschalten, was bei den Basisstationen für den Einzelnen schon etwas schwerer fällt.
Bei dem Einen ist es also freiwillig, was er sich antut, wogegen sich die Nachbarn einer Mobilfunkantenne ungefragt und Tag wie Nacht den Wellen ausgesetzt sehen.
Deshalb richten sich auch die meisten Bürgerinitiativen gegen die Errichtung neuer Sendemasten, und dies in steigender Zahl und bald hat jede neu geplante Anlage ihre eigene und wohl organisierte "Gruppe besorgter Bürger" gegen sich.

 

Die Mobilfunkunternehmen und ihre Kontrahenten

Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn es für den Aufbau von Mobilfunkanlagen keine Gesetze gäbe.

Lange glaubten sich die Netzbetreiber alleine durch Einhaltung dieser Vorschriften dann auch im Recht und versäumten es daher, die Menschen nach ihren Wünschen oder gar Sorgen zu fragen, wenn sie wieder eine mysteriöse Antenne mehr vor deren Nase setzten.
Diese Lücke wurde natürlich schnell entdeckt, wobei es zuerst wohl mehr die Esoteriker waren, die enttäuscht von dem nachlassenden Interesse an ihren "Erdstrahlen" die "Mobilfunkstrahlen" für ihre Warnungen auserkoren. Trotz ihrer vielen Untersuchungen sah sich die Wissenschaft doch bisher außerstande, dieses Thema als vollkommen unschädlich abzutun und bald entdeckten die ersten Kritiker dann auch den einen oder anderen Hinweis auf ein mögliches Problem.

Nun treibt die Menschen aber nur wenig so um wie die Angst um ihre Gesundheit und so nahm das Ganze seinen Lauf, zumal der vermeintliche Krankmacher derart offensichtlich vor den Augen aller sitzt.
Während sich die Mobilfunknetzbetreiber noch im Zählen ihrer wachsenden Kundenschar übte, wurde das bestehende Informationsdefizit in einer ohnehin technik-skeptischen Bevölkerung zuerst von Gegnern dieser für sie meist rätselhaften Technologie gedeckt, wobei es bis zu heutigen Tag oft weniger auf die Sachlichkeit als mehr auf die plakative Wirkung der Argumente ankam und manche Regel der Physik oder Biologie unbeachtet auf der Strecke blieb.

Hinter manchem Kritiker verbirgt sich aber auch einfach nur ein ganz profaner Geschäftsmann, sei es ein für Forschungsgelder werbender Wissenschaftler oder ein Anbieter von Dienstleistungen bzw. Hilfsmitteln aller Art, der aus ganz eigenem Interesse diese für ihn vorteilhafte Elektrosmog-Diskussion bewusst am Leben erhält.

Lesetipps:

Wie kann ich sachliche Information von Scharlatanerie, Dichtung und Lüge unterscheiden?

Goldene Regeln für den Mobilfunk-Streit
Wie man mit Mobilfunkgegnern diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren. - Der Beitrag liefert in der Praxis erprobte Hinweise für die Auseinandersetzung mit irrationaler Agitation, am Beispiel des in deutschen Kommunen stattfindenden Streits um Mobilfunkstationen.

 
Risiko?

Wie gefährlich ist eine Mobilfunkantenne auf dem Nachbardach oder ein Handy am Ohr?
Die durch sie erzeugten unsichtbaren Felder sind weder direkt spürbar noch giftig und die einzig nachweisbaren Todesfälle sind wohl die durch Unaufmerksamkeit beim Autofahren dabei. Aber ist es wirklich so einfach? Wohl kaum.
Viele auf den ersten Blick "erschreckenden Erkenntnisse" lösen sich jedoch beim näheren Betrachten in Nichts auf und so mancher "Mobilfunkgeschädigter" entdeckte die Symptome seiner vermeintlichen Leiden auch erst nach der Lektüre des blumig ausgemalten Aufklärungsblattes einer Bürgerinitiative, mitunter gar schon vor Inbetriebnahme des Sendemastens gegenüber.

Es gibt wohl wenige Bereiche der öffentlichen Diskussion, wo die Wissenschaft und Scharlatanerie so dicht und für den Laien unentwirrbar nebeneinander liegen wie beim Mobilfunk. So haben die Experten also nicht nur die Aufgaben der seriösen Forschung zu erfüllen, sondern müssen ihre Ergebnisse den Menschen auch mehr verständlich und für jeden nutzbar näherbringen.

Lesetipp:

Öffentliche und private Vorsorge beim Schutz vor elektromagnetischen Feldern
Ein Vortrag des Präsidenten des Bundesamts für Strahlenschutz, W. König

Ein Foto aus der c't Heft 8, 2002
Die Bürgerwelle informiert hier per Mobiltelefon
über die Risiken des Mobilfunks!

 

Denn gerade das Ungewisse ist es, was die Menschen fürchten und so scheint die kritische Auseinandersetzung der Öffentlichkeit mit dem Mobilfunk heute im wesentlichen eine Frage der persönlichen Risikowahrnehmung und -Abschätzung zu sein.
Die zunehmende Kluft zwischen der wie selbstverständlichen Akzeptanz bekannter Risiken wie Rauchen, Autofahren oder manche Sportarten und der Forderung nach restloser Vermeidung von spekulativen Risiken wie dem vom Mobilfunk ist dabei unübersehbar.

Das Verhältnis vieler Menschen zum Mobilfunk ist zudem auch noch tief gespalten, weil sie einerseits den mancherorts propagierten Auswirkungen mißtrauisch gegenüberstehen, andererseits auf dessen Nutzen aber auch nicht verzichten wollen oder können.
Beinahe schon legendär sind die Geschichten von den Mobilfunkgegner- "Experten", deren Handys während ihrer Vorträge in der Tasche klingeln oder der Bürgerinitativen, die sich per Handy zu ihren nächsten Treffen gegen Mobilfunk zusammentelefonieren.

Diesen Zwiespalt zwischen Anspruch und Furcht kann nur sachliche Information über die Technik und deren tatsächlichen Risiken klären, aber nicht das Verharren in verhärteten Positionen oder die Verunsicherung durch zwar engagierte, aber oftmals wenig sachkompetete Kritiker.
 

 

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Zuletzt geändert: 18.10.08