Mobilfunk im Krankenhaus

Seit Beginn der neunziger Jahre ist der Gebrauch von Mobilfunkgeräten in Krankenhäusern in Diskussion geraten und in zunehmenden Maß wurde dies in vielen Häusern mittlerweile verboten. In Schottland wurden bereits zwei uneinsichtige Mobilfunknutzer zu mehrmonatigen Gefängnisstrafen verurteilt (siehe dazu diese Pressemitteilung).

Was steckt dahinter?

Medizinische Geräte sind (wie alle elektronischen Gerätschaften) gegen elektromagnetische Felder, wie sie besonders in kurzer Distanz befindliche Handys erzeugen, in unterschiedlichem Maße empfindlich und können dadurch gestört werden (mangelnde Einstrahlstörfestigkeit, siehe hier mehr dazu).
Dies trifft natürlich nicht nur auf die im Krankenhaus befindlichen Geräte, sondern ebenfalls auf die in Rettungswagen oder zuhause benutzen Geräte zu.
Daran sieht man auch schon die Problematik: Man kann vielleicht im Krankenhaus ein Handyverbot durchsetzen, aber wie ist es im Rettungsdienst, zumal gerade auch die Sanitäter Mobilfunk nutzen?

Allerdings können auch medizinische Geräte selbst erheblichen "Elektrosmog" erzeugen. Messungen an Diathermiegeräten ergaben zum Beispiel, daß die Grenzwerte in direkter Umgebung des Gerätes nicht eingehalten und in einer Entfernung von 1 Meter noch um das zehnfache überschritten wurden. Kernspintomographen erzeugen z. B. sehr starke Magnetfelder.

Untersuchungen von unterschiedlichen medizinischen Geräten haben jedoch gezeigt, daß lebensbedrohliche Störungen durch heutige Handys, wenn überhaupt, nur bei unrealistisch kurzen Distanzen von wenigen Zentimetern zwischen Gerät und Handy auftraten. Bei Abständen über ein bis zwei Metern waren gar keine Störungen mehr festzustellen.

Generelle Mobilfunkverbote in Krankenhäusern beruhen also weniger auf tatsächlichen Vorkommnissen als auf sozialpolitischen Überlegungen. Begründbar sind jedoch Hinweise bzw. Verbote in sicherheitssensiblen Bereichen.

 

Mehr Information:

Handyverbot im Krankenhaus überflüssig?
Britische Mediziner stellen bereits im Februar 2003 die Notwendigkeit von Handyverboten in Krankenhäusern in Frage. Im Juli 2004 wurde das bis dahin geltende generelle Handyverbot schliesslich aufgehoben. Auch in Deutschland ist eine ähnliche Entwicklung festzustellen, wie ein Artikel vom April 2007 zeigt.
Mobile Kommunikation in Krankenhäusern und in deren Umgebung
Eine Informationsbroschüre des Mobile Manufacturer Forum vom Februar 2009 (65 KB)

Handys schalten Krankenhausgeräte ab (Medical Tribune vom 08.09.07)
Niederländische Forscher fanden 2007 bei 26 von 61 getesteten medizinischen Geräten Störungen durch in geringem Abstand betriebenen Mobiltelefonen. Sie empfehlen deshalb für Krankenhäuser die Einführung eines Sicherheitsabstandes von einem Meter zu medizinischen Geräten und zusätzliche Handy-freie Zonen.
      Interference by new-generation mobile phones on critical care medical equipment
      Abstract der Studie mit Link zurr Komplettversion (pdf, 174 KB)

Studie: Krankenhausgeräte werden nicht von Mobiltelefonen beeinflusst (Wissenschaft.de vom 12.03.07 )
Eine Untersuchung der Mayo Klinik in Rochester, Minnesota, hat gezeigt, dass zumindest Geräte für die Patientenüberwachung sich vom Mobilfunk nicht irritieren lassen.
JEFFREY L. TRI, RODNEY P. SEVERSON, LINDA K. HYBERGER, DAVID L. HAYES: Use of Cellular Telephones in the Hospital Environment, Mayo Clin Proc. 2007;82:282-285

Literaturübersicht zu Störungen von medizinischen Geräten durch Mobiltelefone
Eine umfangreiche Zusammenstellung australischer Forscher vom August 2004

Studie: Störeinflüsse von Handys auf medizinische Geräte werden geringer
Dieser Beitrag im Heise Newsticker vom 11.10.05 fasst die Ergebnisse einer Studie der US-amerikanischen Mayo-Klinik zusammen.
Mobilfunk im Krankenhaus
Kurzzusammenfassung einer wissenschaftlichen Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen an Geräten der Intensivmedizin.
Diese Studie als Buch:
Rolf Tobisch, Werner Irnich: Mobilfunk im Krankenhaus
Einfluß von Mobiltelefonen auf lebensrettende und lebenserhaltende Medizintechnik
Fachverlag Schiele & Schön. 1999. 144 Seiten - Zahlreiche Abbildungen. Broschiert.
ISBN 3-7949-0640-3. DM 29,80 ÖS 218,- SFr. 27,50

 

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Zuletzt geändert: 23.03.09