Die Kinderleukämiefälle in Valladolid/Spanien

 
Die Schule Colegio Garcia Quintana in der spanischen Universitätsstadt Valladolid befindet sich in der Nachbarschaft zu einem Wohngebäude (siehe Fotos), auf welchem im Jahr 2001 insgesamt 36 LMDS-Richtfunkantennen (3,5 GHz und 26 GHz) auf dem Dach installiert waren und die äusserlich Mobilfunkantennen ähneln.

 
Häufung von Krebsfällen unter Kindern

Nachdem 4 Krebsfälle unter den Schülern dieser Schule (Alter 5-9 Jahre, 3 Fälle von Leukämie, 1 Fall von Lymphdrüsenkrebs) bekannt wurden und öffentlich mit Nachdruck über einen Zusammenhang mit diesen Sendeanlagen spekuliert wurde, wurden diese Anlagen mittels eines Gerichtbeschlusses am 26.12.2001 mit einer bauordnungsrechtlichen Begründung außer Betrieb genommen und mittlerweile abmontiert.
Eine epidemiologische Untersuchung des Consejeria de Sanidad e Bienestar Social, welche bereits am 19. November 2001 veröffentlicht wurde, schließt auf ein 58-fach überhöhtes Aufkommen von Leukämiefällen gegenüber dem spanischen Durchschnitt, ohne aber einen eindeutigen Zusammenhang mit der elektromagnetischen Strahlung festzustellen. Diese Schlussfolgerung wurde jedoch von den betroffenen Familien in Frage gestellt, nachdem der vierte Krebsfall im Dezember 2001 bekannt wurde und die Schließung der Anlagen angeordnet wurde.


Aufkommende Mobilfunk-Hysterie

Aufgrund dieser voran beschriebenen Umstände, welche von den Medien und Mobilfunkkritikern umfassend aufgegriffen wurden, machte sich in ganz Spanien eine regelrechte Mobilfunk-Hysterie breit und es fanden im Lauf der folgenden Monate immer wieder Protestaktionen, angeordnete Abschaltungen und weitere Aktionen statt. Dabei wurde über die Tatsache hinweggesehen, dass die im Fall Valladolid kritisierten Sendeantennen gar keine GSM-Mobilfunkantennen sind und innerhalb der Schule die Felder von Radio- und Fernfernsehsendern dominierten.
Die politischen Entscheidungsträger reagierten mit zahlreichen neuen Verordnungen und Untersuchungsaktionen auf diese Situation, während die Mobilfunkbetreiber mit breit angelegten Messaktionen begannen, um die Einhaltung aller Vorschriften nachzuweisen. Bis Mai 2002 wurden so mit einem Budget von 20 Mio. Euro über 18.000 Messungen an damit 95% aller Standorte vorgenommen.

 
Untersuchungsbericht bringt keine Klarheit

Am 23. Mai 2002 wurde der endgültige Untersuchungsbericht der "Comisión de Investigación de la Agregación de Tumores Infantiles en Alumnos del Colegio Público "García Quintana" de Valladolid " vorgelegt. Darin wird festgestellt, dass für diese erhöhte Zahl von Krankheitsfällen in Valladolid keine direkten Ursachen gefunden wurden, was die durch die Sendeanlagen erzeugten elektromagnetischen Felder mit einschliesst. Allerdings werden weitere Untersuchungen vorgeschlagen und es wird empfohlen, die bereits abmontierten Sendeantennen nicht wieder in Betrieb zu nehmen.

 
Auch nach Abschaltung der Sender ein neuer Krebsfall

Zwei Jahre nach Abschaltung der Sender wurde im November 2003 bei einem 8-jährigen Jungen neu Krebs diagnostiziert. Epidemiologen haben sich des neuen Falls angenommen, die örtlichen Bürgerinitiativen forderten darauf auch eine Ausweitung der Untersuchung auf niederfrequente Felder, wohl wissend, dass zwei Jahre nach Abschaltung der Sendeanlagen die ursprüngliche Argumentation etwas leidet.

 
Andere Krebscluster in der Nähe von Sendeantennen

Valladolid ist kein Einzelfall einer ungewöhnlichen Anhäufung von Kinder-Krebsfällen um Sendeanlagen. Manche dieser Fälle beziehen sich allerdings auf mehr anekdotische Schilderungen, die nicht weiter überprüft wurden oder auf andere Krebsarten, wie etwa die Hirntumorfälle von St. Cyr bei Paris, doch es gibt auch näher untersuchte Leukämiecluster in der Umgebung von Radio- und Fernsehsendern. Auch hierbei waren jedoch die Auffälligkeiten teilweise auf bestimmte Zeiträume oder Orte beschränkt, was nicht mit veränderten Sendebedingungen erklärbar ist.


 
Mehr Information

Elektromagnetische Felder und Leukämie
Mobilfunk-Antennen verbreiten Angst in Spanien
Ein Bericht zu den Vorgängen in Valladolid von Heise Online im Januar 2001

Spanish experience about risk communication: From theory to practice
Dieser Beitrag aus dem Buch Electromagnetic Field Exposure: Risk Communication in the context of Uncertainty des EU-Projektes EMF-NET beschreibt die weniger auf Fakten basierte mobilfunkkritische Situation in Spanien von 2000 - 2007 inklusive einer Beschreibung der Vorgänge in Valladolid (180 KB).

Zusammenfassung:
The author discusses the public perception of risks in Spain in the mid-2000, and the opposition to the building of antennas and to the deployment of mobile phone infrastructure. She points out that Electromagnetic Field Exposure: Risk Communication in the context of Uncertainty 13 despite the wide public acceptance of the benefits of mobile telephony there is still a broad public rejection of the infrastructure. According to her, public perception of EMF risks in Spain is being distorted because the people ignores or disregards the fact that no adverse health effects has been identified, and that this state of opinion is being nurtured, and legitimated, by some groups and “experts” enjoying social and media notoriety, but which misrepresent the scientific evidence. She mentions a number of other factors at the source of this crisis in public confidence, namely, (1) some misplaced normative institutional responses to the public concerns, (2) the absence of communication campaigns by the Spanish Health Authorities, (3) the inexistence of an independent agency or scientific institution of reference in Spain to provide information on the matter, and not least (4) the shortcomings in the industry’s behaviour during the deployment of the infrastructures. The author reports that social opposition against antennas in Spain still remains despite the efforts made by the national and regional authorities to communicate the state of the science, and despite the institutional consensus reached concerning this matter.

 


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Zuletzt geändert: 20.05.09