Vorsorgewerte

Die heutigen Grenzwertdefinitionen beruhen auf wissenschaftlich anerkannten, nachweislichen Phänomenen und berücksichtigen, abgesehen von einem Sicherheitsfaktor, im wesentlichen nur die thermischen Wirkungen.
Die Fachwelt ist sich jedoch darüber einig, daß es auch unterhalb dieser Schwellen noch biologische Wirkungen gibt, wobei deren Einfluß auf die menschliche Gesundheit aber noch nicht geklärt ist, insbesondere konnten Schädigungen noch nicht wissenschaftlich anerkannt nachgewiesen werden.
Dennoch wurden im Hinblick auf einen erweiterten Gesundheitsschutz von unterschiedlichen Institutionen Vorschläge zu niedrigeren Grenzwerten eingebracht, den sog. Vorsorgewerten. Bei diesen Überlegungen werden spekulative schädliche Wirkungen, oder auch eventuelle Langzeitwirkungen miteinbezogen und der Versuch unternommen, sie durch eine niedrigere Schwelle zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen.

Dieser Vorsorgegedanke wurde unabhängig bereits in mehreren Staaten unter gesellschaftlichem Druck in entsprechende Verordnungen umgesetzt, wobei insbesondere sogenannte "empfindliche" Bereiche wie Wohngebiete, Schulen, Krankenhäuser usw. berücksichtigt, bzw. gesondert behandelt werden.

Da die Grenzwerte nach dem Vorsorgeprinzip nicht mit definierbaren wissenschaftlichen Regeln gefunden werden können, unterscheiden sie sich teilweise je nach Betrachtungsweise des Initiators deutlich:

Quelle/Land
Elektr. Feldstärke [V/m]
Leistungsflussdichte [W/m2]
Status
Mehr Information
900 MHz
1800 MHz
900 MHz
1800 MHz
ICNIRP
42
58
4,5
9
IG
Info
Ecolog-Institut
2
2
0,01
0,01
E
Info
Nova-Institut
4,12 
5,82 
0,045
0,09
E
Info
BUND
0,02
0,02
0,000001
0,000001
E
Info
Bundesverband gegen Elektrosmog
0,02
0,02
0,000001
0,000001
E
Info
Baubiologische Richtwerte
diverse
diverse
diverse
diverse
E
Info
Italien
6
6
0,1
0,1
NG
Info
Schweiz
4
6
 0,042
 0,095
NG
Info
"Alter" Salzburger Vorsorgewert
 0,61
 0,61
0,001
0,001
E
Info
"Neuer" Salzburger Vorsorgewert
0,02
0,02
0,000001
0,000001
E
Info
Hierbei sind:
IG:
Internat. Grenzwert
E:
Empfehlung
NG:
Nationaler Grenzwert
F:
Freiwillige Vereinbarung

Die hellgrauen Werte wurden aus den in dem jeweiligen Vorschlag angegebenen Werten berechnet. Teilweise wird noch zwischen Freigelände, Wach- und Ruheräumen oder zwischen gepulster und ungepulster Strahlung unterschieden. Details finden sich bei den jeweiligen Info-Links.

Tabelle von einigen Vorsorgewerten für Mobilfunkfrequenzen in Europa
Zum Vergleich dazu die in Deutschland gültigen Grenzwerte nach ICNIRP

 
Mehr Information:

Vorsorgeprinzip und -ma▀nahmen im Bereich Mobilfunk
Eine ausführliche Informationssammlung auf der Mobilfunk-Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums
WHO: Precautionary Framework for Public Health Protection (Draft May 2003)
Studie: Mehr Vorsorge vermindert nicht die öffentliche Kritik
Bei dieser in Österreich durchgeführten Studie wurde festgestellt, dass die Einführung von Vorsorgemassnahmen im Bereich elektromagnetischer Felder weder die Sorgen der Menschen vermindern noch das Vertrauen in die Forschung und Gesetzgebung erhöhen würden. Die Forscher sehen darin damit auch eine Unterstützung der bisherigen Linie der WHO, nach welcher Vorsorgemassnahmen nur aufgrund wissenschaftlicher Ergebnisse und nicht auf der Basis willkürlicher Annahmen ergriffen werden sollten.
Peter M. Wiedemann, Holger Schütz: The Precautionary Principle and Risk Perception: Experimental Studies in the EMF Area, Environmental Health Perspectives, doi:10.1289/ehp.7538 (available at http://dx.doi.org/), Online 10 January 2005 (265 kB)
The Precautionary Principle in the Context of Mobile Phone and Base Station Radiofrequency Exposures
In diesem Beitrag vom Mai 2009 betrachten die Autoren Mike Dolan (MMF) und Jack Rowley (GSMA) die internationale Entwicklung von Forderungen nach Vorsorgewerten für Mobiltelefone und Basisstationen (152 KB).

 

 

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Zuletzt geändert: 20.05.09