Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf den Sehapparat

 
Einführung

Zu Effekten hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf den Sehapparat liegen bisher nur wenige Studien vor. Während die besondere Empfindlichkeit des Auges gegenüber thermischen Effekten bekannt ist, deuten nur wenige Studien auf mögliche nicht-thermische Effekte der HF-EMF auf die Retina hin.

Im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms wurde für das Projekt "Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder der Mobilfunkkommunikation auf Sinnesorgane. B. Das visuelle System.“ eine Literaturstudie mit dem Stand des Jahres 2004 erstellt, deren Zusammenfassung nachfolgend wiedergegeben wird. Die kompette Version (ca. 40 Seiten) findet man im Anhang zum Abschlußbericht des Projektes. In dem Projekt selbst wurden keine Effekte beobachtet, die außerhalb dem normalen physiologischen Bereich lagen und einen gesundheitlichen Einfluss aufzeigten.

1. Epidemiologische Untersuchungen

  • Radiofrequenz übertragende Geräte können Risikofaktoren für Augenkrebs sein (neben anderen Faktoren wie Herkunft, Anzahl der Naevi, UV-Exposition und Irisfarbe; vgl. Stang et al. 2001).
  • Ein signifikanter Zusammenhang zwischen hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung und verschiedenen Krebsarten, inklusive Aderhautmelanom konnte allerdings nicht festgestellt werden. Es wurde keine Zunahme von Augenkrebs im Zusammenhang mit dem exponentiellen Anstieg der Mobilfunknutzung seit Anfang 1980 festgestellt (Johansen et al. 2001, 2002).
  • Hochfrequente elektromagnetische Strahlung kann Auswirkungen auf Teile des Augenapparates haben, dies zeigten insbesondere Arbeiten die Linsentrübungen mit teilweisem Verlust der Sehschärfe beschrieben (vgl. Hollows und Douglas 1984).

 
2. Tierexperimente

  • Hochfrequente elektromagnetische Strahlen können zu Veränderungen im Linsenepithel führen. Vermutlich aufgrund von thermischen Effekten kommt es dann zur Linsentrübung, jedoch keiner messbaren Größenveränderung der Linse (vgl. Carpenter et al. 1960, 1979).
  • Weitere Untersuchungen bestätigten, dass thermische Effekte eine wichtige Rolle in Zusammenhang mit Katarakt, leichten Linsentrübungen und anderen Augenveränderungen spielen können (vgl. Guy et al. 1975; McAfee et al. 1979; Saito et al. 1998). Thermische Effekte scheinen bei narkotisierten Tieren größer zu sein (Kojima et al. 2004).
  • Aber nicht allein thermische Effekte verursachen Veränderungen von Linse, Cornea und Iris (vgl.Kues et al. 1985, 1992). Diese Ergebnisse konnten allerdings später nicht reproduziert werden (Kamimura et al. 1994).
  • Expositionsintensität und –dauer beeinflussen die Veränderungen der Linse und Cornea (vgl. Foster et al. 1986; Chalfin et al. 2002).
  • Auffällige retinale Effekte konnten nicht festgestellt werden (Lu et al. 2000).

 
3. Reagenzglasuntersuchungen

  • Mit dem Anstieg der Dauer und Intensität der Strahlung nahmen die Schädigungen der Linse zu. Zu den physikalischen Schädigungen der Linse gehörten Löcher, Schaumbildung, große Globuli und Schädigungen der Linsenkapsel (vgl. Stewart-DeHaan et al. 1983; 1985).
  • Bereits geringe elektromagnetische Strahlung (<10 mW/cm2) führte zu Schäden bei Connexin43 und zur Hemmung interzellulärer Kommunikation durch gap junctions bei LECs, die möglicherweise nicht auf thermische Effekte zurückzuführen sind (vgl. Ye et al. 2001, 2002).
  • Die Fluidität der Photorezeptormembran kann durch relativ schwache Mikrowellenstrahlung erhöht werden (Pologea-Moraru et al. 2002).
  • Elektromagnetische Strahlung greift in die Zellvermehrung ein und führt zu einer verringerten Zellentwicklung, einer erhöhten Zellkondensation und einer teilweisen Hemmung der DNA-Synthese (Yao et al. 2004).

 
Die oben beschriebenen Ergebnisse lassen sich zum Teil durch weitere Untersuchungen untermauern die sich nicht speziell auf das visuelle System beziehen. Eine ausführliche Übersicht zu Einflüssen elektromagnetischer Strahlung des Mobilfunks auf das Zentralnervensystem haben Hossmann und Hermann (2003) erstellt.

Durch EMF hervorgerufene thermische Effekte vor allem auf die Augenlinse können bei hohen Intensitäten und SAR Werten als sicher angesehen werden. Thermische Effekte sollten auch die neuronale Verarbeitung in der Retina beeinflussen, falls die Temperaturregulation dies nicht mehr ausreichend kompensieren kann. Die Frage ob zusätzlich nichtthermische Effekte eine Rolle spielen ist ungeklärt, jedoch deuten einige Arbeiten darauf hin dass dies der Fall sein könnte.

 

Mehr Information und weitere Studien:

Stellungnahme des BfS zu Wirkungen elektromagnetischer Felder auf Mensch und Tier: Das visuelle System (2009)

Augentumore durch Mobiltelefonnutzung?
Im Jahr 2001 erregte eine Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Häufigkeit von Augentumoren (Uveamelanomen) und elektromagnetischern Feldern Aufsehen, da sich bei der betrachteten, allerdings kleinen Fallzahl Hinweise auf einen Zusammenhang zur Mobiltelefonnutzung ergaben. Diese im Jahr 2009 veröffentlichte, größer angelegte Untersuchung konnte diesen Verdacht jedoch nicht bestätigen.
Stang A.;Schmidt-Pokrzywniak A.;Lash T.L.;Lommatzsch P.K.;Taubert G.;Bornfeld N.;Jöckel K.H.: Mobile phone use and risk of uveal melanoma: results of the risk factors for uveal melanoma case-control study. J Natl Cancer Inst 2009: 101 (2), 120-123.
und aus dem Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm:
Beteiligung an einer Fall-Kontroll-Studie zu Aderhautmelanomen und Radiofrequenzstrahlung (RIFA-Studie)

Ist der Sehapparat des Menschen durch gepulste elektromagnetische Felder beeinflussbar?
In diesem Artikel aus dem Newsletter 4/2006 der Forschungsgemeinschaft Funk wird die Funktionsweise des Auges sowie denkbare Beeinflussungen durch elektromagnetische Felder beschrieben (226 KB).
Vermehrtes Auftreten von nukleären Katarakten beim Kalb nach Erstellung einer Mobilfunkbasisstation
Eine Stellungnahme der Forschungsstiftung Mobilkommunikation zu einer Untersuchung von Prof. Michael Hässig sowie Medienberichten zu nukleären Katarakten bei neugeborenen Kälbern ("Kälberblindheit"), welche in der Nähe von Mobilfunkantennen gehalten werden
Zusammenfassung der Untersuchung bei ELMAR

 

 

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Zuletzt geändert: 11.03.12