Befindlichkeitsstörungen durch Mobilfunk-Basisstationen?

Vermeintliche oder warnend in Aussicht gestellte Befindlichkeitsstörungen durch nahegelegene Mobilfunk-Basisstationen, etwa Kopfschmerzen oder Schlafstörungen, genießen bei vielen mobilfunkkritischen Akteuren in ihren Ausführungen einen hohen Stellenwert und werden auch von vereinzelten Ärzten in diversen Appellen oder "Kasuistiken" mitpostuliert.
Nachfolgend wird eine Übersicht über aktuelle oder zurückliegende Studien vermittelt, welche dieser Thematik einen wissenschaftlichen Hintergrund verleihen sollten - oder sie eben auch als Fiktion erscheinen lassen.
Eine weitere Zusammenfassung und Bewertung der Thematik findet man man in folgender Broschüre des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vom Dezember 2007:

Mobilfunkbasisstationen und menschliche Befindlichkeit

   

1. Studien des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms

Querschnittsstudie zur Erfassung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch die Felder von Mobilfunkbasisstationen

Aus der Zusammenfassung dieser auch "QUEBEB-Studie" genannten Arbeit:

Die Basiserhebung lieferte erstmals bevölkerungsweite Aussagen darüber, wie sich die Standorte der Basisstationen über Deutschland verteilen und wie viele Privathaushalte eine Basisstation im näheren Umkreis zur Wohnung haben sowie zur Prävalenz von Beschwerden, Prävalenz von Besorgnis wegen Basisstationen und Prävalenz gesundheitlicher Beeinträchtigung durch Basisstationen.

Die Risikoanalysen der Ergänzungsstudie zeigen keinen Zusammenhang zwischen den gemessenen Feldern von Basisstationen und selbst berichteten Befindlichkeitsstörungen. Die Ergebnisse dieser Studie ebenso wie die Ergebnisse der bisher abgeschlossenen experimentellen Studien zu dieser Thematik des DMF-Programms deuten übereinstimmend daraufhin hin, dass die Felder von Mobilfunkbasisstationen keine akuten gesundheitlichen Beschwerden bei Erwachsenen verursachen.

Folgende Ergebnisse wurden erzielt:

  • Es wurde kein Zusammenhang zwischen den gemessenen Feldern von Basisstationen und den fünf untersuchten Zielvariablen (Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Beschwerden allgemein, gesundheitliche Lebensqualität körperlich und psychisch) gefunden.
  • Die Attribution (das Zurückführen) von gesundheitlichen Beschwerden auf Mobilsendeanlagen ist statistisch signifikant mit Schlafstörungen und Beschwerden allgemein assoziiert, nicht aber mit anderen Zielvariablen.

 

Untersuchung der Schlafqualität bei Anwohnern einer Basisstation - Experimentelle Studie zur Objektivierung möglicher psychologischer und physiologischer Effekte unter häuslichen Bedingungen

Aus dem Fazit:

Die vorliegenden Ergebnisse sprechen gegen eine Beeinflussung der subjektiven und objektiven Schlafqualität durch elektromagnetische Felder von Mobilfunkbasisstationen auf physiologischer Ebene. Es konnten jedoch eindeutige Effekte allein durch die Existenz einer Mobilfunkbasisstation verbunden mit der Besorgnis über mögliche gesundheitliche Risiken auf die Schlafqualität nachgewiesen werden. Das vorliegende Ergebnis zeigt, dass nicht die Exposition an sich die Schlafqualität negativ beeinflusst, sondern Bedenken wegen der möglichen gesundheitlichen Folgen, und zwar auch wenn die Anlage nicht in Betrieb ist.

 

Untersuchung der Schlafqualität bei elektrosensiblen Anwohnern von Basisstationen unter häuslichen Bedingungen

Aus dem Fazit:

Die Ergebnisse der Studie sind im Einklang mit aktuellen Arbeiten, die durchweg keinen kausalen Zusammenhang zwischen subjektiv empfundener Elektrosensibilität und dem vorhanden sein elektromagnetischer Felder finden. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass der Glaube an eine Schirmung zwar die subjektiv empfundenen, aber nicht die objektiv gemessenen Schlafparameter signifikant verbesserte.
 

 

 

2. Review zu Gesundheitsstörungen durch Mobilfunk-Basisstationen

Systematic review on the health effects of exposure to radiofrequency electromagnetic fields from mobile phone base stations
Martin Röösli et al., Bulletin of the World Health Organization 2010, Article ID: BLT.09.071852

Hierzu die Zusammenfassung aus dem WIK EMF-Brief 25-2010:

Für diese Übersichtsarbeit haben Wissenschaftler vom Schweizerischen Tropen- und Public Health Institut in Basel aktuelle wissenschaftliche Publikationen ausgewertet, in denen der Zusammenhang zwischen der EMF-Expostion durch Mobilfunkbasisstationen und Gesundheitseffekten beim Menschen untersucht wurde. Insgesamt 17 Studien, die die Qualitätskriterien der Autoren erfüllten, wurden in die Analyse einbezogen: fünf randomisierte Laborstudien am Menschen und zwölf epidemiologische Studien.
Die Hauptergebnisse dieser Analyse sind:

  • In der überwiegenden Zahl der Publikationen (14) wurden unspezifische subjektiv empfundene Gesundheitssymptome untersucht.
  • In den meisten der randomisierten Untersuchungen konnte kein Zusammenhang zwischen der Mobilfunkstrahlung und dem Auftreten akuter Symptome während oder kurz nach der Exposition gefun-den werden. Die sporadisch beobachteten Zusammenhänge zeigten kein einheitliches Muster hinsichtlicher der Symptome oder der Expositionshöhe.
  • Je differenzierter die Expositionsabschätzung war, desto weniger Effekte wurden berichtet.
  • Es gibt kaum Studien zur Exposition von Kindern und zu Gesundheitseffekten, die nicht unspezifi-scher Natur sind.

Fazit der Autoren: Die Hinweise auf einen fehlenden Zusammenhang zwischen der EMF-Exposition durch Mobilfunkbasisstationen (elektrische Feldstärkte bis zu 10 Volt/m) und der Entwicklung akuter Symptome kann als sehr belastbar betrachtet werden, weil dieser auf randomisierten, verblindeten Laboruntersuchun-gen am Menschen basiert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Datenlage aber unzureichend, um gesicherte Rückschlüsse auf Gesundheitseffekte durch Langzeitexposition auf niedrigem Expositionsniveau zu ziehen, so wie sie typischerweise in der alltäglichen Umgebung vorkommt.

 

 

3. Internationale Studien 2007 - 2011

Das "Mastbruch-Projekt"

Dieses Projekt in einem Ortteil von Paderborn wurde im März 2010 mit dem Ziel begonnen, den Einfluss der von einer neu errichteten Ba-sisstation ausgehenden Strahlung auf das gesundheitliche Befinden der im Nahbereich lebenden Bevölkerung zu untersuchen.
Informationsseite auf der Homepage der Stiftung Pandora
Pilotstudie zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch die Hochfrequenzstrahlung von Mobilfunkbasisstationen:
Zwischenergebnisse des Mastbruch- Projekts
(EMF-Monitor Nr.3/2011, pdf, 4.55MB)

 

Spezifische Symptome und Mobilfunkstrahlung in Selbitz (Bayern)

Eger H.; Jahn M.: Spezifische Symptome und Mobilfunkstrahlung in Selbitz (Bayern) - Evidenz für eine Dosiswirkungsbeziehung. Umwelt - Medizin - Gesellschaft 2010: 23 (2), 130-139.
Zusammenfassung bei ELMAR

 

GSM-Basisstationen: Kurzzeit-Wirkungen auf das Wohlbefinden

Christoph Augner, Matthias Florian, Gernot Pauser, Gerd Oberfeld, Gerhard W. Hacker: GSM base stations: Short-term effects on well-being, Bioelectromagnetics, 2008, Published Online 19 Sep 2008
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR
Wirkungen von GSM-Sendeanlagen auf den Menschen (Komplettversion, pdf, 4.1 MB)
Wirkungen von GSM-Sendeanlagen auf den Menschen (Kurzbericht, pdf, 46 KB)
Gesprächsprotokoll zur Vorstellung der Studie vor der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Juni 2007 (pdf, 32 KB)

 

UMTS-Basisstationsexposition zeigt keinen Einfluss auf kognitive Funktionen oder das Wohlbefinden

Furubayashi, T, Ushiyama, A, Terao, Y, e.a. Effects of short-term W-CDMA mobile phone base stations exposure on women with and without mobile phone related symptoms. Bioelectromagnetics, 2008, Published Online 8 Sep 2008.
Abstract
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR

 

UMTS-Basisstationsexposition zeigt keinen Einfluss auf kognitive Funktionen

Ingunn S. Riddervold, Gert F. Pedersen, Niels T. Andersen, Anders D. Pedersen, Jørgen B. Andersen, Robert Zachariae, Lars Mølhave, Torben Sigsgaard, Søren K. Kjærgaard: Cognitive function and symptoms in adults and adolescents in relation to rf radiation from UMTS base stations, Bioelectromagnetics, 2008; 29(4): 257-267
Abstract
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR

 

Britische Studie findet Nocebo-Effekt bei Mobilfunk-Exposition

Bei dieser Studie aus dem britischen "Mobile Telecommunications and Health Research Programme" (MTHR) konnten Wissenschaftler der Universität Essex feststellen, daß bei sich selbst als "elektrosensibel" bezeichnenden Menschen bereits der Glaube an eine Mobilfunk-Exposition in kurzer Zeit Befindlichkeitsstörungen hervorrufen kann und sie andererseits eine tatsächliche Kurzzeit-Exposition (UMTS/GSM mit 10 mW/m²) nur zufällig korrekt bestimmen konnten.
Eltiti S, Wallace D, Ridgewell A, Zougkou K, Russo R, Sepulveda F, Mirshekar-Syahkal D, Rasor P, Deeble R, Fox E.: Does Short-Term Exposure to Mobile Phone Base Station Signals Increase Symptoms in Individuals who Report Sensitivity to Electromagnetic Fields? A Double-Blind Randomised Provocation Study, Environ Health Perspect 2007; 115 (1)
Kompletter Text
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR

 

Pilotstudie findet keine Befindlichkeitsstörungen durch UMTS-Mobilfunkanlage

Sabine Heinrich; Andrea Ossig; Sabine Schlittmeier; Jürgen Hellbrück: Elektromagnetische Felder einer UMTS-Mobilfunkbasisstation und mögliche Auswirkungen auf die Befindlichkeit - eine experimentelle Felduntersuchung, Umweltmed Forsch Prax 12 (3)2007
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR

 

4. Ergebnisse früherer Studien

Hierzu eine Zusammenfassung aus dem Abschlussbericht des Projektes Untersuchungen an Probanden unter Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern von Mobiltelefonen im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms (Auszug):

Zwamborn et al. (2003) vom holländischen TNO-Institut publizierten eine auch in der breiten Öffentlichkeit viel beachtete Laborstudie zu den Wirkungen der von Mobilfunksendeanlagen abgestrahlten HF-EMF. Sie untersuchten zwei Gruppen von je 36 Personen: Die Probanden der Gruppe A attribuierten subjektive Beschwerden auf Mobilfunksendeanlagen, während sich die Probanden der Gruppe B, der Kontrollgruppe, durch Mobilfunksendeanlagen nicht beeinträchtigt fühlten. Der Versuchsplan enthielt drei Verumexpositionen, nämlich GSM 900 MHz, GSM 1.800 MHz und UMTS 2.100 MHz, die Feldstärken betrugen 1 V/m. Das Untersuchungsdesign sah für jeden Teilnehmer vier Phasen zu je 30 Minuten vor: Ein für alle gemeinsames Training und drei weitere Phasen, nämlich eine Sham- und zwei Verumexpositionen.
Jeder Proband wurde nach einer zufälligen Verteilung zwei der drei Verumexpositionen zugeordnet. Während jeder der vier Phasen füllten die Teilnehmer einen Fragebogen zum subjektiven Wohlbefinden aus und führten zudem kognitive Tests durch. Für beide Gruppen ergab sich ein signifikanter Unterschied beim berichteten Wohlbefinden zwischen der Sham- Bedingung und der UMTS-Bedingung; zwischen der Scheinexposition und der 900 MHzbeziehungsweise der Scheinexposition und der 1800 MHz-Exposition wurden dagegen keine Unterschiede beim Wohlbefinden festgestellt. Bei den kognitiven Tests ergaben sich bei beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede. Die Autoren konzedieren, dass die zwischen Placebo- und UMTS-Exposition festgestellten Unterschiede gering sind, dass es Carry- Over-Effekte zwischen den Phasen gegeben haben kann und dass die Expositionszeiten sehr kurz waren. Weiterhin ist an der TNO-Studie zu bemängeln, dass die Ergebnisse aus a posteriori durchgeführten paarweisen Tests ohne eine Bonferroni-Korrektur der Irrtumswahrscheinlichkeit ermittelt wurden; tatsächlich fanden die Autoren der TNO-Studie in Globaltestsüber alle vier Untersuchungsbedingungen (Placebo, 900 MHz, 1.800 MHz, 2.100 MHz) keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Mehr Information::
Die TNO-Studie zu Befindlichkeitsstörungen durch UMTS-Mobilfunkanlagen
Eine Wiederholung der doppelblinden randomisierten Probandenstudie mit 33 elektrosensitiven und 84 nicht elektrosensitiven Probanden konnte die gefundenen Ergebnisse der TNO-Studie hinsichtlich der UMTS-Exposition nicht bestätigen. Eine Exposition durch ein UMTS-Feld (Feldstärken von 1 V/m und 10 V/m) führte zu keiner Veränderung des Wohlbefindens in beiden Probandengruppen. Auch konnte kein konsistenter Einfluss auf die kognitiven Leistungen nachgewiesen werden. In dieser Schweizer Studie wurden die Probanden den Bedingungen der TNO-Studie entsprechend exponiert. Zusätzlich wurde eine relativ hohe Feldstärke mit 10 V/m angewendet, um eine Dosis-Wirkungsbeziehung ermitteln zu können. Allerdings konnte auch bei zehnfach erhöhter Exposition kein Einfluss festgestellt werden (Regel et al. 2006).
Mehr Information::
Schweizer Nachfolgestudie zur TNO-Studie
Navarro et al. (2003) führten 2001 eine Erhebung in La Nora, Spanien, in der Nähe einer Mobilfunksendeanlage (1.800 MHz) durch. In dieser fragebogenbasierten Erhebung wurden Informationen von 101 Personen ausgewertet. Ein lokales Team verteilte Fragebögen, die allerdings nur rund 5 % der 1.900 Einwohner der Ortschaft beantworteten. Trotz Messungen zur Expositionsbestimmung wurden die Teilnehmer über das schlecht interpretierbare Abstandsmaß von der Mobilfunksendeanlage in zwei Gruppen geteilt: Die Teilnehmer der ersten Gruppe gaben an, in weniger als 150 m Entfernung zur Mobilfunksendeanlage zu wohnen. Die zweite Gruppe wohnte mindestens 250 m von der Mobilfunksendeanlage entfernt. Bei der Untersuchung von Navarro et al. (2003) bleiben viele Fragen unbeantwortet. Dies ist begründet durch Unklarheiten sowohl beim methodischen Vorgehen, wie z. B. bei der Teilnehmerselektion als auch in der inhaltlichen Darstellung. Aufgrund der unzureichenden Qualität der Erhebung sehen wir davon ab, die Ergebnisse dieser Studie zu präsentieren.
Mehr Information::
Die "Navarro-Studie" zu Befindlichkeitsstörungen durch Mobilfunk
In Frankreich wurden 530 Personen schriftlich nach Alter, Geschlecht, geschätzter Distanz zur Mobilfunksendeanlage und der Lokalisation der Wohnung zur Antenne befragt (Santini et al. 2002). Es fehlen Hinweise zur Art der Rekrutierung der Teilnehmer und zur Responserate. Alle abgefragten Beschwerden wurden einzeln ausgewertet, ohne dass Adjustierungen für Alter, Geschlecht und weitere mögliche Einflussgrößen durchgeführt wurden. Ob Personen negative gesundheitliche Einflüsse durch Mobilfunksendeanlagen erwarteten, wurde nicht abgefragt. Zur Bestimmung der Expositionshöhe wurden die Eigenangaben zum Abstand zwischen Wohnort und Mobilfunksendeanlage genutzt. Diese Methode ist als Maß der Exposition nicht geeignet. Aufgrund der unklaren Informationslage und der unzureichenden Qualität der Erhebung werden keine Ergebnisse dieser Studie präsentiert. Die Arbeit von Santini erfüllt nicht die Mindestanforderungen an eine wissenschaftliche Studie. Der methodische Ansatz ist nicht nachvollziehbar. Es mangelt an grundlegenden Informationen zur Rekrutierung der Teilnehmer sowie zur Sicherheit der Distanzschätzungen
Mehr Information::
Dr. Roger Santinis epidemiologische Studie über Mobilfunk Basistationen
In einer ägyptischen Studie wurden - ebenfalls in einem Querschnittsdesign - 165 Personen hinsichtlich neuropsychiatrischer Befindlichkeiten befragt (Abdel-Rassoul et al. 2006). Dabei wurde die Exposition von einer Mobilfunksendeanlage ausgehend festgelegt. 37 Personen, die in dem Haus lebten, auf dem die Mobilfunksendeanlage aufgebaut war, sowie 48 Personen, die im Nachbarhaus wohnten, wurden als exponiert betrachtet. Als nicht exponierte Gruppe wurden 80 Personen ausgesucht, die nach Alter, Geschlecht sowie beruflicher und schulischer Ausbildung der Gruppe der Exponierten entsprach. Es mangelt an grundlegenden Informationen zur Rekrutierung der Teilnehmer, Responseraten sowie zur Expositionsabschätzung gerade der Personengruppe, die im Haus unter der Antenne wohnte. Es fanden HF-EMFMessungen in der Interventionsregion statt, nicht jedoch in der Kontrollregion. Es bleibt unklar, ob die Probanden von der Existenz der Mobilfunksendeanlage wussten. Aufgrund des Fehlens wichtiger Informationen sehen wir auch hier davon ab, die Ergebnisse dieser Studie darzustellen.
Mehr Information::
Die Studie von Abdel-Rassoul zu Befindlichkeitsstörungen durch Mobilfunkanlage

Hutter et al. (2002, 2006) untersuchten im Umkreis um fünf ländliche und fünf städtische Mobilfunksendeanlagen insgesamt 365 Probanden in Österreich, die die Beschwerdenliste von v. Zerssen, den Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI) sowie einen Fragebogen zur Schlafqualität ausfüllten und zudem Tests zu verschiedenen kognitiven Fähigkeiten durchführten. Die Entfernung zwischen Wohnung und Sendeanlage lag bei den ländlichen Mobilfunksendeanlagen zwischen 24 und 600 m, bei den städtischen Mobilfunksendeanlagen zwischen 20 und 250 m. Bei 336 der 365 Probanden wurden die Hochfrequenz-Immissionen im Schlafzimmer durch Breitbandmessungen ermittelt, zusätzlich erhoben die Autoren auch die Besorgnis wegen EMF, die von Mobilfunksendeanlagen emittiert wurden. In einer zweifaktoriellen Varianzanalyse wurde die Leistungsflussdichte in drei Kategorien eingeteilt (<= 0,1 mWm²; 0,1-0,5 mWm²; > 0,5 mWm²); neben der Leistungsflussdichte war die Wohnumgebung (städtisch/ländlich) die zweite Einflussvariable. Als Kovariablen wurden neben dem Alter und dem Geschlecht die Mobiltelefonnutzung und die Besorgnis wegen der von Mobilfunksendeanlagen emittierten EMF einbezogen. Die Beschwerdenliste von v. Zerssen wurde von den Autoren mit einer logistischen Regression auf der Ebene der einzelnen Beschwerden ausgewertet; die ursprünglich 5-kategoriellen Antworten wurden dabei dichotomisiert (Beschwerde vorhanden/nicht vorhanden). Dabei fanden die Autoren für drei Einzelbeschwerden einen signifikanten Einfluss der GSM-Immissionen, nämlich für Kopfschmerzen, kalte Hände oder Füße sowie für Konzentrationsschwierigkeiten. Signifikante Zusammenhänge zwischen der HF-EMF-Exposition und Schlafstörungen wurden nicht gefunden. In einer Varianzanalyse mit dem Summenscore des PSQI als Zielvariable erwiesen sich weder die GSMImmissionen noch die Wohnumgebung als signifikante Einflussfaktoren, signifikant war hingegen der Einfluss der beiden Kovariablen Alter und Besorgnis wegen der von Mobilfunksendeanlagen emittierten HF-EMF. Auch bei einer Auswertung des PSQI auf der Ebene der sieben Subskalen ergaben sich keine signifikanten Zusammenhänge zwischen der HF-EMFExposition und den einzelnen Merkmalen des Schlafverhaltens.
Positiv ist an der Studie zu bewerten, dass die Exposition tatsächlich gemessen wurde, dass auch auf die HF-EMF von Mobilfunksendeanlagen bezogenen Bedenken berücksichtigt wurden und – im Unterschied zu der französischen, ägyptischen und der spanischen Studie – auch für Confounder adjustiert wurde. Die Autoren selbst bezeichnen ihre Studie als explorativ, da sie weder Hypothesen bilden noch Korrekturen für multiples Testen vornahmen. Kritisch anzumerken ist, dass die Autoren nicht darauf eingehen, inwiefern sich die 29 Personen, die Messungen in ihrer Wohnung abgelehnt haben, von den übrigen 336 Probanden unterschieden. In einem Kommentar zur Studie von Hutter et al. kritisiert Coggon (2006), dass die Autoren lediglich eine Kurzzeitexposition an einem einzigen Ort gemessen haben, an dem sich die Probanden zudem nur zeitlich begrenzt aufhielten. Ferner stellt auch Coggon die Frage nach zufälligen Signifikanzen bei der Analyse der einzelnen Beschwerden der Zerssen- Liste.

Mehr Information::
Österreichische Studie zu Mobilfunkbasisstationen

 

Navigation zu
  dieser Seite:
        
Homepage Elektrosmoginfo
Menüseite: Biologie und Gesundheit
  Befindlichkeitsstörungen durch Mobilfunk-Basisstationen?    
 
Zuletzt geändert: 27.08.11