Grundlegendes zur Elektrosmog-Forschung

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Wirkung von elektromagnetischer Strahlung auf den Menschen zu erforschen. Jede hat außer ihren spezifischen Vor- und Nachteilen auch ihre Grenzen, etwa ethische bei Versuchen am Menschen oder die Übertragbarkeit von Versuchsergebnissen an einzelnen Zellen auf einen ganzen Körper.
Hinzu kommen geradezu unendlich viele Varianten bei der Art der Versuchsdurchführung und der gewählten Strahlenexposition. Dies alles führt mit dazu, daß selbst unter anerkannten Wissenschaftlern die Meinungen teilweise weit auseinander gehen und es zumindest vorläufig noch keine klare Antwort auf die Frage der Schädlichkeit des Mobilfunks geben kann.

Darstellung von grundsätzlichen Untersuchungsmethoden und deren Eigenarten
 
In-Vitro Untersuchungen
Laborexperiment mit isolierten Zellen oder Zellkulturen
In-Vivo Untersuchungen
Laborexperiment am Menschen oder Tier
Epidemiologische Untersuchungen
Untersuchung am Menschen durch Vergleich einer besonders exponierten Personengruppe mit einer Referenzpersonengruppe
Begriffsdefinitionen
 
Der Unterschied zwischen physikalischem Effekt, biologischen Wirkungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen
Der Unterschied zwischen wissenschaftlichem "Hinweis", "Verdacht" und "Nachweis"
Beurteilung der EMF-Gesundheitsforschung
Qualitätsansprüche in der wissenschaftlichen Forschung

Ist die Forschung über biologische
HF-Wirkungen am Ende?

Obgleich sachlich verschieden, ist doch wissenschaftshistorisch der Vergleich zwischen der Forschung zur biologischen Wirkung ionisierender mit jener der nichtionisierenden elektromagnetischer Felder legitim und aufschlussreich. Beide Problemkreise haben eine hohe gesellschaftspolitische Relevanz. Beide Richtungen werden etwa im gleichen Zeitraum beforscht. Für beide gilt eine Intensivierung der Forschung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Während man jedoch vom molekularen Mechanismus bis zur gesundheitlichen Konsequenz die Wirkung ionisierender Strahlung heute zuverlässig kennt und ihre Gefahren zweifelsfrei einschätzen kann, ist die Forschung über schwache Intensitäten elektromagnetischer Felder nichtionisierender Quantenenergie aus dem Bereich unsicherer Spekulationen nicht herausgekommen. Will man sich nicht in die üblichen Verschwörungshypothesen flüchten, die übrigens für beide Richtungen anwendbar wären, so drängt sich konsequenterweise der Schluss auf: Es gibt außer thermischem Rauschen keine Effekte schwacher HF-Felder auf den lebenden Organismus.

EMF-Forschung tut not? - Betrachtungen aus der Sicht der praktischen Vernunft (Auszug) Newsletter 3/2009 der FGF (pdf, 247 KB)

Grundsätzliche Untersuchungsmethoden

In-vitro Untersuchungen

Ein In-vitro-Experiment ("im Reagenzglas") ist ein Laborexperiment mit isolierten, aus Lebewesen entnommenen Zellen, Zellkulturen oder Zellzüchtungen wie Hefe oder Bakterien. Solche Untersuchungen dienen vor allem dazu, mögliche Wirkungsmechanismen auf diesem untersten biologischen Niveau zu erkennen, was notwendig ist um wissenschaftlich begründete Aussagen über mögliche Auswirkungen qualitativ und quantitativ unterschiedlicher Ursachen (z. B. elektromagnetische Felder) zu treffen.
Sie eignen sich zur Beurteilung möglicher gesundheitlicher Wirkungen nur sehr bedingt, da zelluläre Veränderungen im Gesamtorganismus eine durchaus unbedeutende Rolle spielen können. Jeder lebende Organismus besitzt komplexe Regulierungsmechanismen, welche äußere Einflüsse vielfältigster Art in gewissen Grenzen ausgleichen können.

 

In-vivo Untersuchungen

Ein In-vivo-Experiment ("im lebenden Organismus") ist ein Laborexperiment am lebenden Menschen oder Tier. Bei Menschen finden vor allem Untersuchungen zum Nachweis von Kurzzeit-Reaktionen statt (z. B. Schlafstörungen), wogegen Langzeit-Experimente mit Tieren durchgeführt werden.
Auch unter ethischen Gesichtspunkten sind Tierversuche eher möglich, wie etwa mit sehr hohen Feldexpositionen oder mit genmanipulierten Tieren zur Untersuchung der Krebsentwicklung.
Allerdings ist beim Tierversuch die Übertragbarkeit auf den Menschen nicht immer gegeben, schon wegen der unterschiedlichen Körpergröße oder -gestalt. Wesentlich sind dabei die stärkere Wirkung von Hochfrequenzstrahlung auf kleine Lebewesen im Vergleich zum Menschen durch den Skin-Effekt.
Bei menschlichen Probanten sind wiederum bei eventuellen Verhaltensänderungen auch vielfältige andere Einflüsse denkbar, was den Rückschluß auf Wirkungsmechanismen erschwert.

Besonders bei der Versuchsdurchführung mit Menschen wird meist die Form des Blindversuchs oder Doppelblindversuchs gewählt, welcher seine Wurzeln in der Arzneimittelforschung hat: Beim Blindversuch wissen die Probanten nicht, ob sie ein Medikament oder ein Scheinpräperat (Placebo) erhalten, beim Doppelblindversuch ist dies nicht einmal dem untersuchenden Arzt, sondern nur dem Versuchsleiter bekannt. Übertragen auf Untersuchungen mit elektromagnetischen Feldern ist dies das Nichtwissen, ob das Feld vorhanden (eingeschaltet) ist oder nicht.

 

Epidemiologische Untersuchungen

Epidemiologie ist die Untersuchung von gesundheitlichen Effekten am Menschen durch Vergleich einer besonders exponierten Personengruppe mit einer Referenzpersonengruppe.
Es wird dabei zwischen unterschiedlichen Studientypen unterschieden, wobei zwei häufige davon Fallkontrollstudien und Kohortenstudien sind. Bei einer Fallkontrollstudie wird die Häufigkeit der Erkrankung bei Nutzern im Verhältnis zu jener bei Nichtnutzern (OR) und bei Kohortenstudien wird das Verhältnis der erkrankten Nutzern zu den erkrankten Nichtnutzern (RR) festgestellt.
Werte von OR bzw. RR deutlich größer 1 sprechen für einen statistischen Zusammenhang mit der angenommenen Ursache, wogegen Werte um 1 oder kleiner gegen die Hypothese sprechen.

Epidemiologische Erhebungsmethoden
Eine Darstellung der verschiedenen Typen von epidemiologischen Studien, mit Erläuterung ihrer jeweiligen Vor- und Nachteile
Odds Ratio (OR) und Relatives Risiko (RR)
Eine Erläuterung in der Zeitschrift Umweltmedizin-Forschung-Praxis aus dem Jahr 1998 (11kB)

Bedeutung epidemiologischer Studien in der EMVU-Forschung
Ein Beitrag aus dem Newsletter 3/2007 der Forschungsgemeinschaft Funk (104 KB)

Empfehlungen für den Umgang mit Beobachtungen von räumlich-zeitlichen Krankheitsclustern
Eine Mitteilung der Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“ am Robert Koch-Institut (RKI) im Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2009, 52: 239–255, Springer-Verlag 2009 (777 KB)
Cancer Epidemiology: Principles and Methods
This textbook gives a basic introduction to cancer epidemiology. Chapters include: Describing and presenting data, Measures of occurrence of disease and of other health-related events, Overview of study designs, Evaluating the role of chance, Intervention trials, Cohort studies, Case-control studies, Cross-sectional surveys, Routine data-based studies, Introduction to survival analysis, Interpretation of epidemiological studies, How to deal with confounding, Size of a study, Cancer control and prevention, The role of cancer registries, and Planning and conducting epidemiological studies.

Die Hauptschwierigkeiten bei epidemiologischen Untersuchungen sind die

Ein häufig mobiltelefonierender Mensch hat z. B. oft auch eine andere (stressreichere) Lebenssituation als ein darauf verzichtender. Signifikante gesundheitliche Eigenheiten müssen also nicht zwangsläufig auf das Mobiltelefonieren zurückzuführen sein
Epidemiologische Studien können somit für sich allein niemals Kausalzusammenhänge beweisen oder widerlegen, sondern nur einen Beitrag zu wissenschaftlichen Erkenntnissen liefern.
Sie erleichtern es jedoch, eventuelle Muster im Auftreten von Krankheiten zu erkennen, die dann wiederum möglichen Ursachen zugeordnet werden können. Diese müssen dann jedoch in anderen Untersuchungen verifiziert werden.

 
 
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Zuletzt geändert: 22.09.09