Fortpflanzung und Entwicklung


Unter dieser Überschrift sind alle Aspekte der Fortpflanzung wie Erbguterhalt, Fruchtbarkeit und Entwicklung des Embryos zu verstehen.
Zu Anfang dieser Kette steht die Frage nach der Möglichkeit von genetischen Schäden, die ähnlich zu diskutieren ist wie bei der ersten Phase der Krebsentstehung, der sog. Initiation. Als nächstes folgt die Betrachtung der Fruchtbarkeit, wie etwa die Menge und Güte der Spermienproduktion und zum Schluß die embryonale Entwicklung.

Untersuchungen auf diesem Gebiet werden überwiegend im Tierexperiment durchgeführt, wobei die direkte Übertragbarkeit auf den Menschen nicht immer gegeben ist und auch die Tierhaltung als solche nicht immer eine fehlerfreie Bewertung sicherstellt.
Ein wesentlicher Faktor z. B. bei der embryonalen Entwicklung ist der Umstand, daß durch den sog. Skin-Effekt Hochfrequenzfelder bei kleinen Lebewesen viel stärker auf die innenliegenden Körperteile wirken wie beim Menschen: Aus einem SAR-Wert von über 2 W/kg an der Oberfläche wird bei 900 MHz in 0,5cm Tiefe (z. B. in einer Maus) ca. 1,4 W/kg, in 3,5 cm Tiefe (z. B. unter dem Bauchfell eines Menschen) nur noch 0,2 W/kg. Ein menschlicher Embryo ist also im Mutterleib wesentlich besser vor hochfrequenten Feldern abgeschirmt als der einer Maus.

Die aktuell vorliegenden Untersuchungen, welche sich mit real auftretenden Mobilfunkfeldern befassen, fanden keine signifikante Einflüsse auf die Fortpflanzungsfähigkeit des Menschen.
Bei Bestrahlungen mit höheren Feldstärken oder anderer Bedingungen, die allerdings beim Mobilfunk nicht auftreten, wurden im Tierexperiment dagegen schon eine nachlassende Fortpflanzungsfähigkeit bis hin zur Unfruchtbarkeit (Infertilität) und embryonale Entwicklungsstörungen festgestellt. Dies ist allerdings auch durch die dabei erhöhten Körpertemperaturen zu erklären, da die gleichen Symptome ebenso bei einer anderweitigen Erwärmung auftreten.

Eigene Seite: Mobilfunk und die männliche Fruchtbarkeit


Studien

Als Zusammenfassung ein Auszug aus der Literaturstudie des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel: Hochfrequente Strahlung und Gesundheit (2003)

Infertilität/Abort

Im Zusammenhang mit möglichen zellschädigenden Wirkungen von Hochfrequenzstrahlung wird auch ein Risiko für die Nachkommen von exponierten Personen diskutiert. Untersucht wurden in diesem Zusammenhang das Risiko für spontane Aborte, angeborene Fehlbildungen, Frühgeburten, Tumorerkrankungen bei Kindern sowie Einflüsse auf das Geburtsgewicht und die Spermienqualität. Am häufigsten untersucht wurde bisher, ob Physiotherapeutinnen, die mit Diathermiegeräten arbeiten, ein höheres Risiko für Aborte oder Nachkommen mit angeborenen Fehlbildungen haben. Kurzwellen-Diathermiegeräte emittieren hochfrequente Strahlung mit einer Frequenz von 27.12 MHz, Mikrowellendiathermiegeräte bei 915 oder 2450 MHz.

KALLEN et al. 1982 beobachteten ein erhöhtes Risiko für Spontanaborte und angeborene Fehlbildungen bei Nachkommen von Physiotherapeutinnen, die mit Kurzwellendiathermie gearbeitet hatten. TASKINEN et al. 1990 fanden ein rund dreifach erhöhtes Risiko für Spontanaborte nach der 10. Schwangerschaftswoche bei Exposition gegenüber Ultraschall und Diathermiestrahlung. Bei Berücksichtigung von potenziellen Störgrössen war das Risiko nicht mehr statistisch signifikant. Keinen Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber Hochfrequenzstrahlung und angeborenen Missbildungen fand LARSEN 1991 bei Nachkommen von dänischen Physiotherapeutinnen. Kein Einfluss von Kurz- oder Mikrowellenexposition auf das Geburtsgewicht wurde bei schweizerischen Physiotherapeutinnen festgestellt (GUBERAN et al. 1994).

OUELLET-HELLSTROM and STEWART 1993 untersuchten die Schwangerschaft von rund 12’000 amerikanischen Physiotherapeutinnen, von denen rund 7000 angaben, schon mindestens einmal in ihrer Anstellung mit Kurz- oder Mikrowellen- Diathermiegeräten gearbeitet zu haben. Dabei war Mikrowellenexposition (6 Monaten vor dem ersten Schwangerschaftstrimester bis zum Ende des ersten Trimesters) signifikant mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten assoziiert (OR=1.28, 95%- CI:1.0-1.59). Nach Berücksichtigung von möglichen Störgrössen verringerte sich das OR auf 1.22 und war nicht mehr signifikant (95%-CI: 0.92-1.63). Das Fehlgeburtenrisiko nahm signifikant zu, je häufiger die Physiotherapeutinnen pro Monat gegenüber dem Mikrowellentherapiegerät exponiert waren. Die am stärksten exponierte Personengruppe war mehr als 20 Mal pro Monat exponiert und hatte ein um 59 Prozent erhöhtes Fehlgeburtenrisiko. Im Gegensatz zur Exposition gegenüber Mikrowellentherapiegeräten war der Gebrauch von Kurzwellen-Diathermiegeräten nicht mit einem häufigeren Auftreten von Fehlgeburten assoziiert. Messungen ergaben bei der Mikrowellentherapie im inhomogenen Feld Leistungsflussdichten zwischen 0.4-166 W/m² (elektrische Feldstärke ungefähr 12-250 V/m) und bei den Kurzwellen-Diathermiegeräten zwischen 0.8-120 W/m² (17-213 V/m). Eine Therapie dauerte im Normalfall einige Minuten.

Eine israelische Studie fand kein erhöhtes Risiko für Spontanaborte und Frühgeburten beim Gebrauch von Kurzwellendiathermiegeräten (LERMAN et al. 2001). Angeborene Missbildungen waren in einer multivariaten Analyse mit dem Gebrauch von Ultraschallgeräten assoziiert, nicht aber mit der Exposition gegenüber Hochfrequenzstrahlung (OR=1.33; 95%-CI:0.68-2.75). Jedoch trat bei Exposition gegen- über Hochfrequenzstrahlung signifikant häufiger ein tiefes Geburtsgewicht auf.

Eine amerikanische Studie untersuchte, ob bei Kindern, deren Eltern beruflich gegen über elektromagnetischen Feldern exponiert waren, Neuroblastome häufiger auftraten (DE ROOS et al. 2001). Das Neuroblastom ist ein Tumor nicht ausgereifter Nervenzellen. Wenn die Mütter in den 2 Jahren vor der Geburt in einem Beruf gearbeitet hatten, in dem sie nach Einschätzung von Arbeitsplatzhygienikern wahrscheinlich gegenüber Hochfrequenzstrahlung exponiert waren, traten bei ihrem Nachwuchs Neuroblastome häufiger auf (OR=2.8; 95%-CI: 0.9- 8.7). Bezogen auf den Gebrauch eines Mobiltelefons ergab sich, basierend auf 7 exponierten Müttern, ein Odds Ratio von 2.1 (95%-CI: 0.4- 11) für Neuroblastome bei den Nachkommen.

Bewertung:

Die Studien zum Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Diathermiegeräten durch Physiotherapeutinnen und Aborten sowie angeborenen Missbildungen ergaben insgesamt kein konsistentes Bild. Zum Teil wurden Effekte gefunden, zum Teil nicht. In mehreren Studien wurden die Zusammenhänge schwächer, wenn für mögliche Störgrössen korrigiert wurde. Möglicherweise ist dies ein Indiz dafür, dass der Gebrauch von Diathermiegeräten noch mit anderen Risikofaktoren assoziiert ist. Beachtenswert ist die Studie von OUELLET-HELLSTROM and STEWART 1993, die Bewertung 140 Hochfrequente Strahlung und Gesundheit keinen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Fehlgeburten und dem Gebrauch von Kurzwellendiathermiegeräten fand, jedoch Hinweise dafür, dass die Verwendung von Mikrowellendiathermiegeräte mit einem erhöhten Fehlgeburtenrisiko assoziiert war. Andere Gründe für den gefundenen Zusammenhang können jedoch auch bei dieser Studie nicht ausgeschlossen werden. Messungen in dieser Studie zeigten, dass lokal relativ hohe Feldstärken auftraten. Die Expositionszeit war relativ kurz. Aufgrund der geringen Fallzahl ist der Einzelbefund zu Neuroblastomen bei Kindern wenig aussagekräftig. In der Studie von GRAJEWSKI et al. 2000 wurden insgesamt 33 Parameter zur Spermienqualität verglichen. Die wenigen signifikanten Zusammenhänge können daher auch zufällig zustande gekommen sein.

Insgesamt kann mit den vorliegenden Studien nicht beurteilt werden, ob das Fehlgeburtenrisiko durch Exposition gegenüber hochfrequenter Strahlung erhöht ist. Auch die einzige Studie zur Spermienqualität ist zu wenig aussagekräftig.

Komplettes Original unter: http://www.umwelt-schweiz.ch/buwal/de/fachgebiete/fg_nis/news/2003-04-14-00385/index.html

 
Neuere Studien

Beeinflusst die Mobiltelefonbenutzung während der Schwangerschaft die neurologische Entwicklung des Kindes? (2010)
 
Kohortenstudie zum Zusammenhang zwischen der Benutzung von Mobiltelefonen in der Schwangerschaft oder im frühen Kindesalter und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern (2008)

 

 

Mehr Information und frühere Studien

Störung der Reproduktion durch elektromagnetische Felder?
    In diesem Beitrag werden von Dr. Ingeburg Ruppe (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (BAuA), Berlin) die heutigen Erkenntnisse bezüglich der Wirkung elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Wellen in verschiedenen Frequenzbereichen auf biologische Systeme und speziell auf die Reproduktion näher erläutert. Ein Auszug aus dem Newsletter 2/2005 der Forschungsgemeinschaft Funk (8 Seiten pdf, 111 kB)
 
Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder des Mobilfunks auf Fortpflanzung und Entwicklung von Labornagern
   

Im Rahmen einer Langzeitstudie an Labornagern mit UMTS-Signalen erstellten Forscher der Universität Bremen eine bewertende Literaturstudie mit einem Überblick über den Stand von Wissenschaft und Technik zum Thema möglicher Einflüsse hochfrequenter elektromagnetischer Felder des Mobilfunks auf Fortpflanzung und Entwicklung von Labornagern (2007).
 

Embryonalentwicklung unter dem Einfluss hoch- und niederfrequenter elektromagnetischer Felder
    Eine ausführliche Beschreibung sowie der Stand der Forschung im Jahr 2002 (Eine Studie im Auftrag der Forschungsgemeinschaft Funk in Zusammenfassung sowie mit Link zur Komplettausgabe)
 

 

 

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Zuletzt geändert: 24.04.10