Die Gehirnfunktion (Messung des EEG's)

 
Einführung

Bei der Untersuchung der Funktion des Gehirns kann man mit am Kopf angebrachten Elektroden das von nahe unter den Kopfoberfläche liegenden Nervenzellen ausgehende, sich rhythmisch ändernde Wechselfeld messen (Elektroenzephalogramm, EEG). Je nach dessen Frequenz und Stärke unterscheidet man vier Wellenformen:

Das Wach-EEG und das Schlaf-EEG spiegeln unterschiedliche Zustände der Aktivität des Gehirns wider. Besonders das Schlaf-EEG stellt eine spezielle dynamische Aktivität des Gehirns dar, wobei fünf Schlafstadien definiert sind. Das spontane Wach-EEG wird im wachen (Ruhe)zustand mit offenen oder geschlossenen Augen abgeleitet. Insgesamt ist das Wach-EEG sehr variabel und deswegen schlecht reproduzierbar. Bereits ein Augenaufschlag verursacht z.B. erhebliche Artefakte. Im Wachzustand können ebenfalls durch visuelle oder akustische Reize ausgelöste Potentialschwankungen (evozierte und ereigniskorrelierte Potentiale) untersucht werden. Diese evozierten Potenziale sind in dem "normalen" (spontanen) EEG mit geringer Amplitude versteckt und können nur mit Analyseverfahren herausgefiltert werden.

 

Der Einfluss elektromagnetischer Felder

Die bisher durchgeführten Untersuchungen von Veränderungen von Hirnströmen unter dem Einfluß von relevanten Mobilfunkfeldern ergeben keine übereinstimmende Ergebnisse. Die Bewertung der Ergebnisse wird zudem durch teilweise schlechte Dokumentation und die Vielfalt der weiteren möglichen Einflüsse erschwert.
Insgesamt gibt es Hinweise darauf, dass Mobilfunkfelder in der Nähe der Grenzwerte die neurophysiologische Verarbeitung wahrgenommener visueller und akustischer Reize leicht modulieren könnten.

Nachfolgend zunächst eine Übersicht zu verschiedenen Untersuchungen des EEG's im Wachzustand bis zu Jahr 2002, darauf eine Übersicht neuerer Studien (Arbeiten zum Schlaf-EEG werden auf der Seite zum Schlaf vorgestellt):

Die erste Studie über den Einfluss gepulster Hochfrequenzstrahlung auf das EEG beim Menschen publizierte VON KLITZING 1995. 17 Probanden wurden einer Strahlung von 150 MHz ausgesetzt, die mit 217 Hz gepulst war. Die berechnete Strahlungsleistung in 6 cm Gehirntiefe war kleiner als 10 mW/m². Innerhalb von 15 Minuten wurden die Probanden im Wachzustand 2 - 3 Mal während einiger Minuten exponiert. Dabei ergab sich für die erste Exposition kein Unterschied zur vorangehenden Kontrollperiode. Jedoch war die Amplitude in der darauffolgenden 2. Kontrollperiode im Bereich von 10 Hz ( -Band) deutlich erhöht und blieb auf diesem Niveau.

Ebenfalls ein zeitlich verzögerter Expositionseffekt auf das spontane EEG im Wachzustand wurde in der Studie von REISER et al. 1995 an je 18 Frauen und Männern gefunden. Das gepulste Magnetfeld (150 kHz, 9 Hz) eines medizinischen Ge- rätes (Mega-Waver) erhöhte die Amplitude des EEG im Frequenzbereich 12.75 -35 Hz während der Exposition und bis eine halbe Stunde danach statistisch signifikant. In den anderen Frequenzbändern war die Erhöhung teilweise signifikant. Die Magnetflussdichte durch den Mega-Waver wurde mit 400 pT beziffert. Ein Mobiltelefon erzeugte keine signifikant erhöhten EEG-Amplituden während der 15- minütigen Expositionsphase; eine Erhöhung ergab sich jedoch 15 bis 30 Minuten nach der Exposition, und zwar im Frequenzbereich 12.75 - 18.5 Hz sowie im Delta- Band (1.25 - 4.5 Hz).

Keinen Effekt einer Mobiltelefonexposition auf alle Frequenzbänder des spontanen EEG im Wachzustand beobachteten RÖSCHKE and MANN 1997 an 34 gesunden Freiwilligen im Alter von 21 bis 35 Jahren. Es handelte sich um gepulste GSM 900- Strahlung mit einer Leistungsflussdichte am Kopf der Probanden von rund 0.5 W/m². Die Exposition dauerte jedoch nur 3.5 Minuten und die Kontrollsituation war nur um eine halbe Stunde von der Exposition separiert. Latenzzeiten, wie sie in den vorgenannten Studien beobachtet wurden, hätten mit diesem Studienprotokoll Effekte verwischt.

LEBEDEVA et al. 2000 fanden bei Experimenten an 24 Männern während einer 15- minütigen Exposition, dass eine sogenannte Multikanal-Korrelationsdimension D2 unmittelbar nach Expositionsbeginn deutlich anstieg. Die D2 wurde mittels nichtlinearer Analyse aus dem EEG berechnet. Nach 2 Minuten begann sie zu sinken, verblieb aber während weiteren 6O7 Minuten höher als bei Scheinexposition. In der 15-minütigen Nach-Expositionsperiode war D2 wieder erhöht im Vergleich zur Kontrollsituation. Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung, dass die räumlich- zeitliche Organisation der Hirnprozesse beeinflusst wurde. Diese Befunde sprechen für eine stärkere Aktivität der Hirnrinde bei Exposition, was möglicherweise die kognitive Verarbeitung im Gehirn verbessere.

HIETANEN et al. 2000 untersuchten in einer Testserie mit 10 Männern und 9 Frauen den Einfluss von 5 verschiedenen Mobiltelefonen auf das spontane EEG im Wach- zustand bei geschlossenen Augen. Die 5 verschiedenen Expositionen sowie eine Scheinexposition erfolgten in zufälliger Reihenfolge an 6 verschiedenen Tagen während jeweils 20 Minuten. Die Exposition durch eines der fünf Telefone war in einer Hirnregion signifikant mit einer Erhöhung im Delta-Band assoziiert. Alle anderen Unterschiede (179 t-Tests) waren statistisch nicht signifikant. Die Autoren zogen die Schlussfolgerung, dass dieser einzige positive Befund zufällig zustande kam.

Ebenfalls keinen Effekt auf das spontane EEG fanden JECH et al. 2001 bei einer Untersuchung an Narkoleptikern (Patienten mit zwanghaften Schlafanfällen).

Zu einem anderen Ergebnis kommen CROFT et al. 2002. Sie exponierten 24 Personen gegenüber einem Mobiltelefon, das zwischen Hinterkopf und Hinterhauptsbein positioniert war. Die Sendeleistung wurde nicht gemessen und mit 3 - 4 mW geschätzt. In der rechten Hemisphäre war die Amplitude des Delta-Bandes bei Exposition signifikant erniedrigt. Die Amplitude des Alpha-Bandes war am Hinterkopf bei Exposition signifikant erhöht, nicht aber im Stirnbereich. Zusätzlich nahm die Amplitude im Alpha-Band mit zunehmender Expositionsdauer zu, während sie unter Kontrollbedingungen zeitlich konstant blieb.

 
Evozierte Potentiale:

Eine Studie, die den Effekt eines Telefonates mit einem GSM-Telefons auf das visuell evozierte Hirnpotential (VEP) an 10 jungen Frauen und 10 jungen Männern untersuchte, fand keinen Effekt (URBAN et al. 1998, HLADKY et al. 1999). Die durchgeführten Auswertungen sind in der Publikation allerdings nicht transparent beschrieben.

EULITZ et al. 1998 untersuchten die ereignisinduzierte Gehirnaktivität im Beta-Band als Korrelat der neuronalen Aktivität, die mit höheren kognitiven- und Wahrnehmungsprozessen assoziiert ist. Das Untersuchungskollektiv umfasste 13 Männer zwischen 21 und 27 Jahren. Als Emittent wurde ein GSM-Mobiltelefon verwendet. Die über den ganzen Zeitraum gemittelte Amplitude des EEG war bei Exposition im Vergleich zur Kontrollsituation unverändert. Jedoch war im ereignisassoziierten Zeitfenster die Intensität im Frequenzbereich 19 - 31 Hz in den am stärksten exponierten Hirnregionen erhöht, jedoch nicht im Zeitfenster, das dem testrelevanten Stimulus vorausging. Daraus wurde geschlossen, dass das induzierte Potential (ERP) beeinflusst wird, jedoch nicht das spontane EEG.

Zwei Studien (FREUDE et al. 1998, FREUDE et al. 2000) untersuchten den Einfluss gepulster Mobilfunkstrahlung auf das langsame Hirnpotential (SP). Das langsame Hirnpotential ist eine spezielle Charakteristik der ereignisassoziierten Potentiale. Diese treten vor einer freiwilligen Aktion (Bereitschaftspotential, BP) auf oder zwi- schen einem Warn- und einem imperativen Stimulus (Contingent negative variation, CNV). Die SP beziehen sich auf Prozesse, die mit sich bereit machen, zusammenhängen. Diese Prozesse sind wichtig für eine effektive motorische oder mentale Durchführung der Aktion. Auf der physiologischen Ebene werden SP interpretiert als ein Indikator für die Zuweisung der Ressourcen zu einem spezifischen Netzwerk für die zukünftige Aktion. Die beiden Studien fanden bei jungen Männern, dass bei Exposition gegenüber gepulster Mobilfunkstrahlung das langsame Hirnpotential (SP) signifikant erniedrigt war, wenn die Probanden einen Zeiger genau bei der 12 Uhr-Position stoppen mussten. Es war sowohl die linke als auch die rechte Hirnhälfte betroffen. Die Effekte waren aber stärker in den am meisten exponierten Hirnregionen. Keinen Einfluss auf das SP wurde jedoch bei folgenden, weniger anspruchsvollen Tests festgestellt: i) um das Bereitschaftspotential (BP) zu untersu- chen, mussten die Probanden 30 Mal einen Knopf in selbstgewähltem Tempo drücken; ii) für die CNV-Untersuchung musste ein Zeiger gestoppt werden, sobald er sich zu bewegen begann. Die Autoren schliessen aus ihren Ergebnissen, dass eine Assoziation zwischen der Exposition und den SP nur bei Prozessen auftritt, bei denen die kortikalen Hirnregionen involviert sind. Dies war bei den relativ anspruchsvollen Reaktionstests der Fall, nicht aber bei den simplen motorischen Tests.

Ein weiterer Test an 16 freiwilligen Probanden bestand darin, sich Wörter zu merken (Merkphase) und anschliessend zu entscheiden, ob sich ein im ersten Durchgang nicht erwähntes Wort unter den in einem zweiten Durchgang präsentierten Wörtern befand (Rückkodierungsphase). Dabei ergaben sich signifikante Effekte einer Mobiltelefonexposition auf das ERP (KRAUSE et al. 2000). Die Wirkung war nur in der Rückkodierungsphase zu beobachten und bestand darin, dass im EEG- Frequenzband von 8O10 Hz die ereignisbezogene Synchronisation (ERS) unter Exposition signifikant erhöht war. In den Frequenzbändern 6 - 8 Hz sowie 10 - 12 Hz war die Erhöhung nicht signifikant und im Frequenzband 4 - 6 Hz war die ERS nicht signifikant erniedrigt. Im 4 - 6 Hz-Band repräsentiert die ERS kortikale Aktivität, während sie im Bereich 6 - 12 Hz mit kortikaler Inaktivität assoziiert ist. Die Befunde in allen Frequenzbändern suggerieren demnach, dass die Exposition durch ein Mobiltelefon die kortikale Aktivität erniedrigt. Die Autoren nehmen an, dass eine erniedrigte kortikale Aktivität mit beschleunigten mentalen Prozessen assoziiert ist. Eine solche Beschleunigung wurde in anderen Studien auch bezüglich der Reaktionszeiten gefunden.

Der Einfluss einer Mobiltelefonexposition auf das spontane EEG und das ereignisbezogene Potential (ERP) wurde bei 22 Patienten, die unter Narkolepsie litten, untersucht, indem ihnen visuelle Reize auf einem Bildschirm präsentiert wurden (JECH et al. 2001). Das Mobiltelefon hatte keinen Einfluss auf das spontane EEG nach der Exposition. Jedoch war das ERP während der Exposition verändert, wenn der Stimulus auf der rechten Bildschirmseite präsentiert wurde. Dieser Befund wurde mit den unterschiedlichen Funktionalitäten der beiden Hirnhälften und der asymmetrischen Expositionsanordnung erklärt.

CROFT et al. 2002 zeichneten die Hirnströme als Reaktion auf einen akustischen Stimulus auf. Dabei wurde eine signifikante Abnahme der Amplitude im 12 - 30 Hz Band beobachtet, sowohl im Durchschnitt als auch als Funktion der Zeit. Eine unter Kontrollbedingungen im Theta-Band beobachtete Abnahme der Amplitude mit der Zeit wurde durch die Exposition gegenüber einem Mobiltelefon unterdrückt. Die Amplitude im Gamma-Band war in den stärker exponierten Kopfgebieten erhöht.

 
Bewertung:

Die beobachteten Effekte traten bei Intensitäten auf, bei denen die Temperaturerhöhung im Gehirn nicht mehr als 0.2 °C beträgt. Eine solche Erhöhung sollte physiologisch kompensiert werden können. Es ist daher wahrscheinlich, dass nicht- thermische Wirkungsmechanismen eine Rolle spielen. Diese Hypothese wird auch dadurch gestützt, dass in einer Studie bei gleicher SAR ein pulsmoduliertes und kontinuierliches Feld unterschiedliche Effekte hatten (HUBER et al. 2002).

Die Gesundheitsrelevanz der gefundenen Effekte ist schwierig zu beurteilen. Die beobachteten EEG-Änderungen stellen sicherlich nicht direkt ein Gesundheitsrisiko dar. CROFT et al. 2002 beschreiben die Einflüsse als stärker als die Wirkung einer starken Tasse Kaffee, jedoch als schwächer als das Schliessen der Augen. Einerseits könnte es sich um reversible physiologische Effekte handeln, vergleichbar der Anpassung der Pupille bei unterschiedlichem Lichteinfall. Auf der anderen Seite ist auch denkbar, dass es sich nicht um einen direkten Effekt auf das EEG handelt, sondern dass sich andere Wirkungen auf das Zentralnervensystem im veränderten EEG manifestieren. Insbesondere wenn die Wirkung länger als die unmittelbare Exposition anhält, kann es sich nur um indirekte/komplexe Wirkungen handeln. Um welche Art Prozesse es sich handeln könnte, und ob diese mit pathologischen Wirkungen assoziiert sind, ist zur Zeit ungeklärt.

Zusammenfassend werden die Befunde als insgesamt recht konsistent beurteilt. Es ist wahrscheinlich, dass die Exposition gegenüber einem Mobiltelefon das EEG beeinflusst. Was dies für die Gesundheit bedeutet, ist nicht beurteilbar. Die Effekte traten im allgemeinen bei einer lokalen SAR von rund 1 W/kg auf. Einige Arbeiten fanden Effekte bei tieferen Expositionen. In diesen Studien wurde die Exposition jedoch nur unzuverlässig bestimmt.

Diese Übersicht ist ein Auszug aus der Literaturstudie des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel: Hochfrequente Strahlung und Gesundheit

Zu neueren Untersuchungen ein Auszug aus dem Beitrag Gehirn, Kognition und Schlaf von der Homepage des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms:

Im Bereich des Wach-EEG gibt es mehrere Studien, die entweder keinen Einfluss der Mobilfunkfelder finden oder kontroverse und nicht reproduzierbare Effekte beschreiben.
In einer finnischen Studie (Hietanen et al. 2000) zeigte nur einer von vielen untersuchten EEG-Parametern eine signifikante, mit der Exposition durch ein Mobiltelefon korrelierte Veränderung, was die Autoren als statistischen Zufall interpretierten.
Hinrichs und Heinze (2006)
, die das Wach-EEG an 18 Testpersonen unter GSM bei 1800 MHz sowie unter Scheinexposition untersuchten, fanden keine akuten Effekte.
Curcio et al. (2005)
untersuchten das Ruhe-EEG im Wachzustand an 20 Personen unter dem Einfluss eines GSM-Mobiltelefons bei 900 MHz. Es wurde ein doppelblindes Design mit Scheinexposition verwendet. Ausschließlich in einem Frequenzbereich des EEG im zentralen Kopfbereich zeigte sich eine signifikante Erhöhung des EEG-Signals während der Exposition. Dies interpretieren die Autoren als eine mögliche Beeinflussung der Aktivität der Hirnrinde durch elektromagnetische Felder, wobei es sich um eine geringfügige Veränderung innerhalb des normalen physiologischen Bereichs handelt.
Mit einem ähnlichen Studiendesign untersuchten Croft et al. (2008) 120 Probanden und fanden ebenfalls einen leichten Anstieg der Hirnaktivität während einer GSM Exposition bei 900 MHz, allerdings in anderen Hirnregionen als Curcio et al. (2005).
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch Regel et al. (2007) in einer doppelblinden Studie an 24 Personen. Kleinlogel et al. (2008a) fanden demgegenüber keinen Einfluss einer GSM oder UMTS Exposition auf das Wach-EEG im Ruhezustand, wenn die Wachsamkeit kontinuierlich aufrechterhalten wurde. Insgesamt beschreibt etwa die Hälfte der genannten Publikationen einen leichten Anstieg der EEG-Leistung im Frequenzband um 8 - 12 Hz, wobei dieser in unterschiedlichen Hirnarealen auftritt, was eine Folge der unterschiedlichen Expositionsszenarien sein kann. In allen Fällen waren nur wenige der vielen untersuchten Parameter verändert und bewegten sich im normalen physiologischen Bereich. Auf mögliche gesundheitliche Konsequenzen kann aus diesen Ergebnissen nicht geschlossen werden.
In den meisten Studien wurde der Wachsamkeitszustand der Probanden nicht kontrolliert und nur selten gibt es Angaben zur Tageszeit der Untersuchungen. Dies ist insofern problematisch, als diese Parameter offenbar einen erheblichen Einfluss auf das EEG haben.

Zu Potenzialen, die als Antwort auf Reize entstehen, gibt es ebenfalls eine ganze Reihe von Arbeiten.:
Eulitz et al. (1998) sowie Hamblin et al. (2004) und Kwon et al. (2008) spezialisierten sich auf die Verarbeitung und Unterscheidung akustischer Reize, Krause et al. untersuchten die Synchronisation der Gehirnaktivität während der Bearbeitung akustischer (2000a, 2004) und visueller (2000b) Gedächtnisaufgaben, Freude et al. (1998, 2000) untersuchten mittels visueller Stimulation Potenziale,die in Vorbereitung auf ein Ereignis bzw. auf eine Informationsverarbeitungsleistung auftreten.
In den genannten Arbeiten wurden unter GSM Exposition wiederholt Veränderungen einzelner Parameter beschrieben, wobei meistens nicht die Wahrnehmung der Reize, sondern deren kognitive Verarbeitung verändert war. In einigen Studien wurden keine signifikanten Veränderungen gefunden (Kwon et al. 2009), und in einigen Fällen ist die Wiederholung der Ergebnisse eigener älterer Arbeiten im doppelblinden Studiendesign an einer hohen Zahl von Versuchspersonen gescheitert (Krause et al. 2004, 2007; Hamblin et al. 2006). Kleinlogel et al (2008b) fanden keinen Einfluss einer GSM oder UMTS Exposition auf visuell oder akustisch evozierten Potenziale. Die vereinzelt beschriebenen Effekte bewegten sich immer im normalen physiologischen Schwankungsbereich, und in keinem der Fälle konnte eine gesundheitliche Relevanz abgeleitet werden.

Aus dem gleichen Beitrag Gehirn, Kognition und Schlaf stammt die Zusammenfassung der Ergebnisse eines Projektes des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms (2007):

Im Rahmen des deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF) wurden dreißig junge gesunde Männer jeweils drei Tage je acht Stunden lang im doppelblinden Studiendesign (d.h. weder die Testpersonen noch die Forscher wissen während der Untersuchungen wann eine Exposition stattfindet) mit simulierten Feldern eines Mobiltelefons nach GSM 900 und UMTS Standard exponiert sowie scheinexponiert. Die Intensität der Exposition entsprach dem Grenzwert, d.h. die spezifische Absorptionsrate (SAR) im Kopf betrug maximal 2 W/kg, gemittelt über 10 g Gewebe. Das Wach-EEG im Ruhezustand wurde jeweils vormittags und nachmittags registriert. Es wurden an insgesamt 19 Elektrodenpositionen je 100 EEG-Parameter erhoben und mit einer Multivarianzanalyse getestet. Bei insgesamt 361 durchgeführten statistischen Tests zeigten sich unter GSM zehn und unter UMTS Exposition fünf signifikante Veränderungen, die sich auf unterschiedliche EEG-Frequenzen und verschiedene Hirnregionen verteilten. Als zufällig wären jeweils 18 signifikante Ergebnisse zu erwarten gewesen, deswegen werden diese Ergebnisse als zufällig gewertet. Einen deutlichen und signifikanten Einfluss auf das Wach-EEG zeigte die Tageszeit, es ergaben sich unter GSM 79 und unter UMTS 59 signifikante Unterschiede zwischen Vormittag und Nachmittag. Die Hirnaktivität stieg unter allen Expositionsbedingungen durchgehend nachmittags an. Dies deutet auf zunehmende Wachsamkeit am Nachmittag, was mit einer verbesserten kognitiven Leitungsfähigkeit am Nachmittag einhergeht.

Über das spontane Wach-EEG hinaus wurden im Wachzustand ebenfalls durch visuelle oder akustische Reize ausgelöste Potenzialschwankungen untersucht. Die statistische Analyse einer hohen Zahl von Parametern lieferte einige wenige zufällig signifikante Ergebnisse sowie weitere Hinweise auf einen sehr ausgeprägten Einfluss der Tageszeit. Insgesamt deuten die Daten nicht darauf hin, dass die Exposition mit elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks einen Einfluss auf durch äußere Reize hervorgerufene Hirnpotenziale hat.

Zugehöriges Projekt: Untersuchungen an Probanden unter Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern von Mobiltelefonen

 

Mehr Information und weitere Studien:

Gehirn, Kognition und Schlaf
Diese Seite von der Homepage des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms bringt eine Übersicht zu folgenden Themen:
1. Kognitive Leistungsfähigkeit
2. Hirnaktivität im Wachzustand
3. Schlaf
Auswirkungen von Mobilfunkfeldern auf das Zentralnervensystem im Wach- und Schlafzustand
Ein Gutachten von Dr. Peter Ullsperger (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) mit Beschreibungen von Untersuchungen am Mensch und Tier aus den Jahren 2000 - 2003, als Teil eines von der T-Mobil beauftragten Forschungsvorhabens der Programmgruppe Mensch Umwelt Technik (MUT) des Forschungszentrums Jülich, welches 25 Spitzenforscher aus Deutschland und der Schweiz zu einem Risikodialog über die Bewertung neuerer Forschungsergebnisse zusammenbrachte (200 kB).
Auswirkungen von Mobilfunkfeldern auf das Zentralnervensystem im Wach- und Schlafzustand
Dieses Gutachten von Dr. Achermann (Universität Zürich) stammt ebenfalls aus dem von der T-Mobil beauftragten Forschungsvorhaben der Programmgruppe Mensch Umwelt Technik (400 kB).
Wirkung von EMF auf das menschliche Gehirn
Ein Überblick über Untersuchungen bis zum Oktober 2007 zu EEG, Schlaf, kognitiven Funktionen und Stoffwechselveränderungen aus dem FGF-Newsletter 4/2007 (118 KB)
Untersuchung der Schlafqualität bei elektrosensiblen Anwohnern von Basisstationen unter häuslichen Bedingungen
Zu diesem Projekt aus dem Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms gibt es ein Literaturreview, welches mehrere Untersuchungen zur Beeinflussung des EEG's durch elektromanetische Felder vorstellt und kritisch bewertet.
Technische EMV-Probleme bei EEG-Untersuchungen unter zusätzlicher elektromagnetischer Feldexposition
Dieser Beitrag zeigt die Probleme bei den im Rahmen von EEG-Untersuchungen zu messenden schwachen Signale (105 KB, Auszug aus dem FGF-Newsletter 3.01)

 

 

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Zuletzt geändert: 07.06.09