Mobilfunk und Herzschrittmacher

 
Die Funktionsweise von Herzschrittmachern

Ein Herzschrittmacher ist ein elektronisches Gerät, das meist entweder rechts oder links in der Nähe des Schlüsselbeines oder im Bauchbereich unter die Haut implantiert wird und über eine in das Herz vorgeschobene und im Herzmuskel befestigte Elektrode dessen Muskelkontraktion durch starke elektrische Impulse auslösen kann.
Damit wird einer krankheitsbedingten Störung der Erregungsleitung vom Erregungszentrum des Herzens, dem "Sinusknoten", zu den Herzmuskeln entgegengewirkt.

Es gibt viele verschiedene Herzschrittmachtertypen, welche folgendermassen unterteilt werden können:

Nach dem Stimulationsort:
 

Einkanalschrittmacher, die nur im Vorhof (Atrium) oder der Herzkammer (Ventrikel) stimulieren/wahrnehmen,

 

Mehrkanalschrittmacher, die sowohl im Vorhof als auch in der Herzkammer stimulieren/wahrnehmen.

Nach dem grundsätzlichen Funktionsprinzip:
 

Unipolare Schrittmacher, welche das Herzschrittmachergehäuse als einen Pol und die Herzschrittmacherelektrode als Gegenpol benutzen,

  Bipolare Schrittmacher mit einer koaxialen Elektrodenanordnung, wobei der Stimulationsstrom zwischen Innen- und Außenleiter direkt im Herzen fließt. Moderne Ausführungen können aber auch wahlweise unipolar betrieben werden.
Weitere Unterscheidungen:
  Inhibierende Schrittmacher, deren Impulsabgabe durch ein wahrgenommenes Herzsignal unterdrückt wird,
 

Getriggerte Schrittmacher, die bei vorhandener Herzaktivität zeitsynchron und bei nicht vorhandenem Herzsignal mit einer festen Frequenz stimulieren,

 

Frequenzadaptive Schrittmacher, deren Stimulationsintervall in Abhängigkeit von einem vom Herzsignal unabhängigen Steuersignal angepasst wird,

 

Programmierbare Schrittmacher, deren Funktionen per Software eingestellt werden können, und

 

Kommunizierende Schrittmacher, die über eine Telemetrieeinrichtung verfügen.

Durch Kombination dieser unterschiedlichen Prinzipien entsteht eine Vielzahl von unterschiedlichen Schrittmachentypen, insgesamt sind heute über 250 unterschiedliche am Markt. Diese werden mit einem aus drei bzw. fünf Buchstaben bestehenden Code auf dem Gerät eindeutig gekennzeichnet.

 

Die Störung von Herzschrittmachern

Die Elektronik von Herzschrittmachern ist für die Verarbeitung von der Elektrode kommender schwacher, niederfrequenter elektrischer Signale ausgelegt.
Von außen (z. B. über die Elektrodenleitung) einfallende Hochfrequenzfelder werden jedoch je nach Gerät unterschiedlich stark intern gleichgerichtet und ein nach dieser Demodulation eventuell vorhandener Niederfrequenzanteil kann die Funktion des Gerätes stören (mangelnde Störfestigkeit).

Dabei hängt das Störverhalten des Schrittmachers stark von der Periodizität des störenden Signals ab.
Z. B. kann dem Gerät durch eine Störung im Bereich der Herzfrequenz eine nicht vorhandene Herztätigkeit vorgetäuscht werden, die zu einer Inhibierung (= Nicht-Tätig-Werden) des Schrittmachers führt.
Weiterhin kann der Schrittmacher das parasitäre Signal als Störung auffassen, hier ist besonders der Frequenzbereich von 20 - 100 Hz kritisch. Im diesem Fall wird sich der Schrittmacher in ein vorher festgelegtes Schutzprogramm umprogrammieren, welches eine sichere Stimulation gewährleisten soll.

Insgesamt betrachtet muß eine Störung des Herzschrittmachers nicht in jedem Fall ernste Folgen haben. Verschiedene Studien haben gezeigt, daß die meisten Störungen durch EMF (elektromagnetische Felder) nicht bemerkt werden, gelegentlich wird ein Herzstolpern wahrgenommen. Ernsthafte Auswirkungen kommen eher selten vor.

 
Herzschrittmacher-Normen

Zum Schutz von Personen mit elektronischen Implantaten gibt es Produktnormen, die in der Vergangenheit jedoch nur Störfestigkeiten dieser Geräte für den Frequenzbereich von 20 Hz - 30 MHz beschrieben und erst in einer neuen, ab September 2005 geltenden Ausfertigung (EN 45502-2-1:2003-09) einen erweiteren Frequenzbereich von 16 Hz - 3 GHz beinhalten. Darüber hinaus gibt es den Entwurf einer deutschen Norm (VDE0848-3-1), die jedoch wegen einer Vielzahl von Einsprüchen noch nicht freigegeben ist. Insbesonders wehren sich die Herzschrittmacherhersteller gegen eine Deklarationspflicht der Störfestigkeitsklasse und viele Felderzeuger gegen die Kennzeichnungspflicht bei Überschreitung der Referenzwerte der EU-Ratsempfehlung.

 

Störungen durch Mobilfunk

Gemäß verschiedener Untersuchungen können etwa 10% der bisher implantierten Geräte unter praktischen Bedingungen durch Handys gestört werden. Insgesamt lassen sich die derzeitigen Erkenntnisse folgendermassen zusammenfassen:

Störungen durch Mobiltelefone treten nur durch solche im 900 MHz-Band auf, also nicht im 1800 MHz-Band oder UMTS, ebensowenig durch DECT-Schnurlostelefone

Bei Mobiltelefonen im 900 MHz-Bereich können vereinzelt Sörungen auftreten, wenn diese vor der Brust des Herzschrittmacherträgers betrieben werden.

Sobald Mobiltelefone in einer realen Telefonierhaltung am Kopf betrieben werden, treten keine Störungen mehr auf, auch nicht bei Geräten im 900 MHz-Band

In der Umgebung von Mobilfunk-Sendemasten treten keine Störungen auf, solange die Grenzwerte für die Allgemeinbevölkerung nach der 26. BImSchV eingehalten werden.

 

Empfehlungen

Bereits durch Auswahl des Herzschrittmacher-Typs kann das Risiko minimiert werden (den Arzt befragen). Unempfindlicher gegenüber Störungen sind Geräte mit einer sog. bipolarer Sonde.

 
Es ist ein Sicherheitsabstand von mindestens 15 cm zwischen dem Gerät und Handy einzuhalten, empfohlen werden 25 cm.
Es sollte vorzugsweise auf der anderen Seite telefoniert werden, als auf welcher der Schrittmacher implantiert ist.
 
Mobiltelefone im 1800 MHz-Band (E-Netze) wirken weniger störend als solche im 900 MHz-Band (D-Netze).
Besonders in gewerblichen Bereichen können auch stärkere elektromagnetische Felder auftreten (weniger durch Mobilfunk), welche zwar innerhalb des gesetzlich zulässigen Rahmens liegen, aber dennoch Risiken für Träger von Herzschrittmachern beinhalten können.
Derartige Bereiche höherer Feldbelastungen sind durch das nebenstehende Verbotszeichen gekennzeichnet, ihr Betreten durch Träger von Herzschrittmachern ist verboten.
Informationen des Bundesamtes für Strahlenschutz zur Störung von Herzschrittmachern
Eine Fülle von Hinweisen zur Vermeidung von Störbeeinflussungen durch unterschiedlichste elektrische Geräte.
 
Kleines Glossar für Herzschrittmacherpatienten
Eine Fülle von Ratschlägen vom Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
 

 

Mehr Information

Allgemeines zu Herzschrittmachern:
Herzschrittmacher
Eine Einführung in vielerlei Aspekte, auf der umfangreichen Medizin-Homepage Medicine-Worldwide.
 
Herzschrittmacher und Mobilfunk:
Mobilfunk und Herzschrittmacher
Mehrere ausführliche Informationsseiten auf der Mobilfunk-Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums
Ergebnisse der Studie zum Schutz von Personen mit Implantaten und Körperhilfen in elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks
Diese sehr ausführliche Studie des IMST aus dem Jahr 2005 beschreibt in ihrem Abschlussbericht neben grundlegenden Dingen zu Herzschrittmachern auch deren mögliche und untersuchte Störsicherheit sowie gibt eine Übersicht über bisher gemachte Untersuchungen.
Herzschrittmacher und Mobilfunkgeräte
Kompakte Übersicht, basierend auf einer etwas älteren Untersuchung von 231 unterschiedlichen Herzschrittmachermodellen.


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Zuletzt geändert: 25.02.09