Kalzium-Homöostase (Kalziumhaushalt)

 
Die Kalziumkonzentration innerhalb von Körperzellen (intrazellular) ist wesentlich höher als die außerhalb (extrazellular), wobei dieses hohe Konzentationsgefälle von tierischen Zellen zur Signalübertragung genutzt wird. Sie spielt damit eine große Rolle bei der Regelung zellularer Vorgänge wie Zellbewegung, -kontraktion oder -teilung.
Falls elektromagnetische Felder Einfluss auf Zellaktivitäten haben, wird sich dies mit großer Wahrscheinlichkeit auch direkt oder indirekt in Veränderungen der intrazellularen Kalziumkonzentration widerspiegeln.

Eine solche Beeinflussung wurde in verschiedenen Untersuchungen durch verschiedenartigste elektromagnetischen Felder festgestellt, wobei auch amplituden- und/oder frequenzabhängige Fenster- oder Resonanzeffekte gefunden wurden (ein Fenstereffekt ist ein Effekt, welcher nur in einem bestimmten Bereich der Stärke oder Frequenz der Einwirkung auftritt). Jedoch konnten einige der gefundenen Ergebnisse in darauffolgenden Untersuchungen nicht reproduziert werden.
Für diese teilweise unterschiedlichen Ergebnisse gibt es eine Vielzahl von Erklärungsmodellen, welche jedoch weiterer Forschung bedürfen. Ebenfalls noch nicht beantwortbar ist die Frage der gesundheitlichen Relevanz dieser Phänomene, sofern sie gesichert auftreten würden.


Übersicht über wesentliche Arbeiten:

Wolke et al. (1996) untersuchen den Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf die intrazelluläre Kalziumkonzentration ([Ca 2+ ]i) von isolierten Herzmuskelzellen (Myozyten) von Meerschweinchen während einer Exposition mit modulierten hochfrequenten elektromagnetischen Feldern. Die einzelnen Experimente beinhalteten drei Phasen mit einer Dauer von 500 Sekunden: In der 1. Phase erfolgte weder eine Feldapplikation noch eine chemische Stimulation; in der 2. Phase erfolgte die Feldexposition und in der 3. Phase wurden die Zellen chemisch stimuliert im Sinne einer positiven Kontrolle. Drei Hauptparameter wurden variiert: die Trägerfrequenz (900, 1300, 1800 MHz), die Modulationsfrequenz (kontinuierlich, 16 Hz, 50 Hz, 217 Hz, 30 kHz) und das Membranpotential (Repolarisation bis -80 mV). In gleicher Weise wurde auch eine Scheinexposition der Zellen durchgeführt, d.h. die Zellen wurden in gleicher Weise behandelt wie die exponierten Zellen, aber selbst nicht befeldet. Während sich für die meisten Parameterkombinationen kein Effekt nachweisen ließ, ergab sich für die Kombination von 900 MHz/50 Hz mit einer spezifischen Absorptionsrate zwischen 0.01 und 0.034 W/kg ein zwar kleiner, aber statistisch signifikanter Effekt, der allerdings von den Autoren als nicht relevant eingeschätzt wird. Entsprechend halten sie einen Einfluss von gepulsten hochfrequenten Feldern (900 und 1800 MHz) auf Herzmuskelzelle für wenig wahrscheinlich.

Eine weitere Arbeit mit jüngerem Datum ist Meyer et al. (1995), die im Versuchsaufbau der Wolke-Studie sehr ähnlich ist. Hier konnte keine Wirkung der hochfrequenten Felder auf T-Lymphozyten und Herzmuskelzellen des Meerschweinchens beobachtet werden. Allerdings ließ sich in diesem Experiment die Reaktionsfähigkeit der Lymphozyten im Experiment nicht aufzeigen, so dass offen bleibt, ob der nicht gefundene Einfluss der hochfrequenten elektromagnetischen Felder nicht auf deren mangelnde Reaktionsfähigkeit zurückgeführt werden kann.

Die o. g. Studien-Zusammenfassungen sind ein Auszug aus dem Endbericht zu den Gutachten im Auftrag der T-Mobil (2000), in welchen diese und weitere Arbeiten vorgestellt und diskutiert werden.

 

Mehr Information

Beeinflussung der Kalziumhomöostase von Zellen und Geweben
Eine fachliche Einführung die Untersuchungsmethodik sowie Zusammenfassung einiger Studienergebnisse.
Untersuchungen zu Wirkungsmechanismen an Zellen unter Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern der Mobilfunktechnologie
Eine Literaturstudie im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms (2004), anhand derer die möglichen thermischen und nicht-thermischen Wirkungsmechanismen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf zellulärer und subzellulärer Ebene beschrieben und die bisherigen Forschungsergebnisse bewertet werden (35 Seiten, 1 MB)

 

Navigation zu
  dieser Seite:
        
Homepage Elektrosmoginfo
Menüseite: Biologie und Gesundheit
  Kalzium-Homöostase (Kalziumhaushalt)   
 
Zuletzt geändert: 06.07.08