Gesundheitliche Beeinträchtigungen in der Nähe von Rundfunk- und Fernsehsendern?


Rundfunk- und Fernsehsender sind zwar nicht so vielzählig verbreitet wie heute die Mobilfunk-Sendemasten, arbeiten dafür jedoch mit teilweise sehr hohen Sendeleistungen bis zu mehreren Millionen Watt und belegen damit auch noch in größerer Entfernung die Umwelt mit vergleichsweise starken elektromagnetischen Feldern.
Siehe dazu: Expositionen durch Rundfunk- und Fernsehsender

Obwohl solche Sendestationen bereits seit vielen Jahrzehnten in Betrieb sind, liegen noch nicht sehr viele Untersuchungen zu eventuellen, durch sie verursachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen oder Krebs vor.
Auf dieser Seite werden Informationen und Ergebnisse zu einigen derartigen Untersuchungen oder Diskussionsthemen vorgestellt:

"Fernsehturm" mit Antennen für UKW- und TV-Versorgung

 

1. Studie des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms

Epidemiologische Studie zum Zusammenhang zwischen Kinderkrebs und Expositionen um große Sendeeinrichtungen

Ziel dieser Studie im Jahr 2008 veröffentlichten war es, die Hypothese eines erhöhten Kinderleukämierisikos in der Umgebung starker Fernseh- und Rundfunksender in einer deutschlandweiten epidemiologischen Studie zu untersuchen. Dazu wurde die Exposition von ca. 2000 Kindern, die seit 1984 an Leukämie erkrankt sind, mit der von einer nichterkrankten Kontrollgruppe verglichen.

Fazit des BfS aus dem Abschlussbericht:

Die Studie ergibt keine Hinweise für ein erhöhtes Kinderleukämierisiko durch die Felder von Fernseh- und Radiosender. Das aussagekräftige Studiendesign der vorliegenden Studie, vor allem die individuelle Expositionsabschätzung für fast 8.000 Kinder, der 20-jährige Beobachtungszeitraum und der Fokus auf 24 der leistungsstärksten Sendeanlagen in Deutschland, schwächt vereinzelte auffällige Befunde früherer weniger belastbarer Studien deutlich ab. Das Fehlen eines bekannten biologischen Wirkmechanismus spricht zusätzlich gegen einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung und Kinderleukämie.

Mehr Information:
Epidemiologische Studie zum Zusammenhang zwischen Kinderkrebs und Expositionen um große Sendeeinrichtungen
 


 

2. Weitere Studien und Diskussionen

Koreanische Studien: Erhöhte Krebsraten um AM-Rundfunksender (2003 - 2007)

Aus Südkorea gibt es mehrere Studien zu Krebsraten um leistungsstarke AM-Radiosender, wobei die Forscher in ihren Ergebnissen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Hochfrequenzexposition durch Radiosender und dem Leukämierisiko von Kindern fanden.

Ha M.;Im H.;Lee M.;Kim H.J.;Kim B.C.;Gimm Y.M.;Pack J.K.: Radio-Frequency Radiation Exposure from AM Radio Transmitters and Childhood Leukemia and Brain Cancer. Am J Epidemiol 2007: 166 (3), 270-279.
Dies ist die Nachfolgestudie mit verbesserter Methodik zu Park et al.aus dem Jahr 2004:
Zusammenfassung im EMF-Portal
Zusammenfassung bei ELMAR
Park SK., Ha M., Im HJ.: Ecological study on residences in the vicinity of AM radio broadcasting towers and cancer death: Preliminary observations in Korea. International Archives of Occupational and Environmental Health advance online publication Jul 31 2004
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR
Ha M.;Lim H.J.;Cho S.H.;Choi H.D.;Cho K.Y.: Incidence of cancer in the vicinity of Korean AM radio transmitters. Arch Environ Health 2003: 58 (12), 756-62.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR

 

Leukämiefälle bei den Sendeanlagen des Radio Vatikan in der Nähe von Rom (2001/2002)

Der Vatikan betreibt auf dem Vatikanhügel und auf einem ihm gehörenden, exterritorialen Gelände etwa 25 km von Rom entfernt mehrere große Sendeanlagen. Diese stehen bei Anwohnern im Verdacht, ausser für technischen Störungen in der Nachbarschaft auch für eine erhöhte Zahl von Krebserkrankungen verantwortlich zu sein.

Mehr Information:
Die Sendeanlagen des Radio Vatikan

 

Untersuchungen um den US-amerikanischen Radiosender bei Holzkirchen (1999 - 2007)

Zu diesem von 1951 bis 2003 betriebenen US-amerikanischen Rundfunksender auf dem Areal der Gemeinde Valley in der Nähe von Holzkirchen (Bayern) begannen in den 90er Jahren heftige politischer Kontroversen aufgrund der Häufungen bestimmter Beschwerden wie Schlafstörungen oder Kopfschmerzen sowie Krebserkrankungen, welche von Anwohnern und verschiedenen Initiativen den ausgesandten elektromagnetischen Feldern zugeschrieben wurden.

Mehr Information:
Der US-amerikanische Radiosender bei Holzkirchen

 

Untersuchungen aus Hawaii, Grossbritannien und Australien (1994 - 1997)

Dazu ein Auszug aus dem Beitrag "Epidemiologie hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung" von Eva Böhler (Institut für medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik, Universität Mainz) auf der Fachtagung "Auswirkungen des Mobilfunks" in Mainz im November 2001:

Übersicht

Bisher wurden weltweit drei ökologische Studien im Umkreis von Sendeanlagen publiziert, deren beobachtete Populationen groß genug waren, um eine mögliche Erhöhung von Krebserkrankungen überhaupt feststellen zu können. Diese Studien fanden in der Umgebung von Sendetürmen auf Oahu, Hawaii (Maskarinec et al., 1994), in Australien (North Sydney) (Hocking et al., 1996) und in Groß-Britannien (Sutton Coldfield) (Dolk et al., 1997) statt. Die australische Studie wurde hierbei später von einer anderen Gruppe einer Überprüfung unterzogen (McKenzie et al., 1998). Die britische Studie wurde von den gleichen Autoren nach identischer Vorgehensweise auf eine größere Studienregion ausgedehnt (Dolk et al., 1997). Bei allen drei Studien ergaben sich auf den ersten Blick Hinweise auf ein häufigeres Auftreten von Leukämieerkrankungen im Nahbereich der Sender. Bei einer zweiten Überprüfung der Daten ergaben sich jedoch bei allen drei Studien Befunde, die die ursprünglich veröffentlichten Ergebnisse in Frage stellten.

Bei der Hawaii-Studie beschränkte sich die erhöhte Leukämie-Inzidenz bei Kindern auf einen dreijährigen Zeitraum innerhalb einer elfjährigen Studienperiode von 1979 bis 1990. Bei einer Einzelfallbetrachtung der Leukämiefälle innerhalb des dreijährigen Zeitfensters zeigte sich eine für Leukämieerkrankungen ungewöhnliche Verteilung in der Bevölkerung. Fast alle betroffenen Kinder waren Mädchen und erkrankten an der einer an sich selteneren Form der Leukämie. Zudem waren die Kinder zum Zeitpunkt der Diagnosestellung älter, als man aufgrund der Altersverteilung bei Leukämien erwarten würde. Eine Fallkontrollstudie in der Region brachte keine zusätzlichen Erkenntnisse. Auslöser der Studie war ein Bericht über eine mögliche Krankheitshäufung.
Mehr Information:
Maskarinec G., Cooper J., Swygert L.: Investigation of increased incidence in childhood leukemia near radio towers in Hawaii: preliminary observations. J Environ Pathol Toxicol Oncol 1994: 13 (1), 33-7.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR
In Großbritannien, wo die Studie um den Sutton Coldfield Transmitter (erhöhte Leukämie- Erkrankungsrate für alle Altersgruppen zusammengefasst) nach identischer Vorgehensweise auf zwanzig weitere Senderstandorte ausgedehnt wurde, konnten die auffälligen Befunde der ersten Studie nicht nachvollzogen werden. Um Sutton Coldfield traten im 2 km-Umkreis 23 Leukämiefälle gegenüber 12,6 erwarteten Fällen auf. In der Erweiterungsstudie ergab sich für die gleiche Erkrankung im gleichen Abstand von den Sendern ein unauffälliges Ergebnis (79 beobachtete Fälle gegenüber 81,6 erwarteten Fällen). Bei beiden Studien zeigte sich vor allem für eine chronische Form der Leukämie jedoch ein Trend einer abnehmenden Häufigkeit der Fälle mit zunehmender Entfernung vom Sender. Die erweiterte Studie wurde vornehmlich durch die dicht besiedelte Gegend um den Fernsehsender in Crystal Palace geprägt. In Sutton Coldfield arbeitete die Sendeanlage mit einer ähnlichen Leistung für TV, hatte aber zusätzlich noch eine Antenne für FM-Radio. Auslöser der Studie in Sutton Coldfield war ebenfalls ein Bericht über eine mögliche Krankheitshäufung.
Mehr Information:
Untersuchungen von Krebsfällen in der Nähe von Sendeanlagen in Grossbritannien (1997)
Hocking et al. berechneten für einen 18jährigen Zeitraum für den Vergleich einer Nahregion von drei Sendeanlagen in Nord-Sydney im Vergleich zu den an die Nahregion angrenzenden Stadtteile ein erhöhtes Leukämierisiko für sowohl alle Altersklassen als auch Kinder im speziellen. McKenzie et al. kritisierten vor allem die Wahl der Vergleichsregion, dennoch blieb auch in ihrer Überprüfung die Verknüpfung für Leukämie bei Kindern erhalten. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass die höhere Kinderleukämierate im gesamten Nahbereich auf eine etwa dreifach erhöhte Erkrankungsrate in einem der drei Stadtteile im Nahbereich zurückzuführen war, und hier vor allem auf Leukämien unter den 0-4jährigen im Zeitraum 1972-78. In den beiden anderen im Durchschnitt höher exponierten Stadtteilen war keine Erhöhung der Leukämierate beobachtet worden. Hirntumoren traten im Nahbereich nicht häufiger auf als erwartet (Hocking et al., 1996).
Mehr Information:
Hocking B., Gordon I. R., Grain H. L., Hatfield G. E.: Cancer incidence and mortality and proximity to TV towers. Medical Journal of Australia 1996: 165 (11-12), 601-605.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR
McKenzie D. R., Yin Y., Morrell S.: Childhood incidence of acute lymphoblastic leukaemia and exposure to broadcast radiation in Sydney--a second look. Aust N Z J Public Health 1998: 22 (3), 360-7.
Abstract
Zusammenfassung bei ELMAR

 

Untersuchungen um den Kurzwellensender Schwarzenburg in der Schweiz (1992 - 1996)

Um mögliche Gesundheitsstörungen und -beeinträchtigungen im näheren Umfeld des im Jahr 1998 abgeschalteten Schweizer Kurzwellensenders Schwarzenburg zu untersuchen, wurden in den Jahren 1992 bis 1996 mehrere Studien durchgeführt; die letzte Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 2005.
Mehr Information:
Die Probleme beim Kurzwellensender Schwarzenburg (Schweiz)

 

Studie zu Krebserkrankungen um ein Standort von Radio- und Fernsehsendern bei Golden/USA (1979 - 2002)

Die Gesundheits- und Umweltschutzbehörde von Colorado hat über einen Zeitraum von 23 Jahren (1979 - 2002) die Häufigkeit von Krebserkrankungen in der Umgebung einer Ansammlung von Radio- und Fernsehsendern auf dem Lookout Mountain bei Golden untersucht. Insgesamt fand sie mit 882 gefundenen Fällen im Verhältnis zu 968 statistisch zu erwartenden sogar eine kleinere Anzahl, wie im Juli 2004 einem entsprechenden Report zu entnehmen war.
Davon abgesehen wird aber auch festgehalten, dass es in zwei Bereichen um die betrachteten Sender zwar eine erhöhte Rate von u. a. Hirntumoren gäbe, diese Häufungen aber von einer unterschiedlichen Art seien und auch Männer wie Frauen unterschiedlich betreffen. Wegen des Fehlens von Gemeinsamkeiten wird daher kein Zusammenhang zu den Sendern vermutet. Auch bei Leukämien, einer in anderen Studien oft im Zusammenhang mit Radio- und Fernsehsendern genannten Krebsart, wurden keine erhöhten Erkrankungsraten gefunden.
Mehr Information:
Colorado Department of Public Health and Environment. 2004. Update: Tumor Incidence in Residents Adjacent to the Lookout Mountain Antenna Farm, 1979-2002, Golden, Colorado. Denver, CO:Colorado Department of Public Health and Environment.
Download (pdf, 854 KB)

 

Hautkrebs durch Radio- und Fernsehsender?

Die beiden Dermatologen Örjan Hallberg und Olle Johansson des schwedischen Karolinska Instituts (Stockholm) vertreten in verschiedenen Veröffentlichungen die Ansicht, dass es einen Zusammenhang zwischen Hautkrebs und der Einführung von Rundfunk- und Fernsehsendern gäbe.

Mehr Information:
Hautkrebs durch Radio- und Fernsehsender?


 

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Zuletzt geändert: 23.10.08