Schlafverhalten


Einführung

Der Schlaf dient dem Menschen zur Aufrechterhaltung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Er ist ein komplexer, vom zentralen Nervensystem gesteuerter biologischer Vorgang und kann in unterschiedliche Phasen eingeteilt werden:

Beim Einschlafen gleitet man zuerst in den orthodoxen Schlaf ab, den man in unterschiedliche Stadien vom Einschlafstadium bis hin zum Tiefschlaf untergliedern kann. Nach einer ersten Tiefschlafphase wechseln sich nach insgesamt etwa einer Stunde orthodoxer Schlaf und REM-Schlaf mehrfach ab.
Der orthodoxe Schlaf dient im wesentlichen der Körpererholung, wogegen der REM-Schlaf (REM = Rapid Eye Movement, "schnelle Augenbewegung") mit seiner Traumaktivität der geistigen Verarbeitung dient.
Das Schlafbedürfnis ist individuell unterschiedlich sowie altersabhängig. Ein Säugling schläft pro Tag ca. 16 Stunden, wobei fast 50% REM-Schlaf sind. Beim Erwachsenen beträgt die Schlafdauer ca. 6 - 8 Stunden, mit einem Anteil des REM-Schlafs von etwa 20%. Im Alter sinkt die Schlafdauer noch weiter, wobei der Anteil des REM-Schlafs bis auf 13% heruntergeht.

Schlafstörungen können durch vielfältige Ursachen wie falsche Ernährungsgewohnheiten, phsychische Faktoren wie Stress, Erregung und Sorgen, oder auch äußere Einflüsse wie Lärm zustande kommen. Sie können zu ernsten gesundheitlichen Problemen führen, wobei insbesonders dem REM-Schlaf eine wichtige Rolle zukommt. Dessen Veränderung kann zu Störungen der Gedächtnisfunktion und von Lernprozessen führen.

Die Schlafqualität lässt sich u. a. mit der Aufnahme des Elektroenzephalogramms (EEG) überwachen. Dessen unterschiedliche Frequenzmuster zeigen bei einem gesunden Menschen je nach Schlafphase einen typischen Verlauf, sodaß dieser damit gut charakterisiert werden kann. Bei der Vielfalt der möglichen Einflüsse auf den Schlaf ist jedoch eine Zuordnung von Schlafstörungen zu einzelnen Ursachen schwierig.

 

Der Einfluss elektromagnetischer Felder

Bei Studien zur Beeinflussung des Schlafverhaltens durch elektromagnetische Felder gilt es in Bezug auf den Mobilfunk zu unterscheiden, ob diese Felder durch die vergleichsweise starken Felder eines in der Nähe befindlichen Mobiltelefons erzeugt werden oder durch eine Basisstation in einer realistischen Entfernung, welche deutlich schwächere Felder zur Folge hat. Bei den meisten bisherigen Schlafstudien wurden im Labor die Felder von Mobiltelefonen verwendet, da man signifikante Effekte am ehesten bei deren Immissionen erwartet.
 

Ergebnisse aus dem Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm (2008):

 

Übersicht über weitere Arbeiten:

Mann und Röschke entdeckten im Jahr 1996 im Schlaflabor anhand polysomnographischer Aufzeichnungen (enthält EEG-, EKG-, Atmungs-, Bewegung-, Muskelspannungs- und andere Registrierungen) eine Verkürzung der Einschlafphase und Veränderungen bei der Traumschlafphase (REM-Phase) unter der Einwirkung von GSM900-Mobilfunkfeldern.
In zwei späteren Studien der gleichen Arbeitsgruppe (Wagner 1998, 2000) wurden diese Ergebnisse jedoch nicht reproduziert.

1999 begann eine Schweizer Arbeitsgruppe um Peter Achermann eine Reihe von Schlafuntersuchungen, die bis heute andauert (Borbely 1999; Huber 2000, 2002, 2003; Regel 2007a). Mehrfach wurden hierbei Einflüsse von EMF auf die spektrale Leistung des EEG´s während des Nicht-REM-Schlafes sowie eine Verkürzung der normalen Wachphasen zwischen den verschiedenen Schlafstadien beobachtet. Diese Ergebnisse deuten auf eine schlaffördernde (sedierende) Wirkung von EMF hin. In einem Teil der Schweizer Untersuchungen wurden die Effekte nur bei pulsmodulierten Feldern (Huber 2002) beziehungsweise. kürzlich auch in Abhängigkeit von der Felddosis nachgewiesen (Regel 2007a).

Eine australische Arbeitsgruppe konnte die Schweizer Ergebnisse in Bezug auf die erste Nicht-REM-Schlafphase unter ähnlichen Bedingungen bestätigen (Loughran 2005), während Fritzer et al. (2007) keine Feldeinflüsse auf den Schlaf beobachteten. Die Australier fanden außerdem, wie die Schweizer, eine den REM-Schlaf fördernde Wirkung.

Lebedeva et al. (2001) hingegen beschrieben eine Reduzierung des REM-Schlaf- Anteils und langsamer EEG-Wellen (Delta- und Theta-Wellen) sowie eine Zunahme des Alpha-Wellen-Anteils, was auf eine eher schlafhemmende Wirkung von EMF hinweist.

Im Gegensatz zu der genannten frühen Studie von Mann und Röschke (1996) beobachteten Hung et al. (2007) kürzlich eine Verlängerung der Einschlafphase, allerdings nur im Gesprächsmodus des verwendeten Testsignals, nicht aber im „Zuhör-Modus“ oder bei einer Scheinexposition. Während die bisher erwähnten Ergebnisse der Schlafstudien mit GSM900-Testsignalen erzielt wurden, konnten Hinrichs et al. (2005) unter GSM1800-Feldexposition keine Effekte nachweisen.

Andere methodische Ansätze zur Erkundung der Schlafqualität unter EMF-Einwirkung wurden von Leitgeb (2004), Herr (2005) und Hutter (2006) verfolgt. Während Leitgeb im Rahmen einer doppelblind durchgeführten Pilotstudie die elektromagnetischen Umgebungsfelder in der häuslichen Umgebung über dem Bett der Probanden abschirmte und während der Nacht polysomnographische Daten registrierte, arbeiteten die beiden anderen Arbeitsgruppen mit standardisierten Fragebögen zur Schlafqualität. Anhand der ausgewerteten Fragebögen wurde kein Einfluss von EMF (Dauer der Handy-Nutzung beziehungsweise Nähe zur Basisstation) auf die Schlafqualität festgestellt. Leitgeb bestätigte in den bisher veröffentlichten Daten seiner Feldabschirmungs-Studie zunächst die methodische Durchführbarkeit des neuartigen Ansatzes und beschrieb die Feldbedingungen in der häuslichen Umgebung der ersten Probanden. Die Ergebnisse der Hauptstudie sollen bald publiziert werden (Anmerkung: Sind publiziert, siehe hier)

Die o. g. Studien-Zusammenfassungen sind ein Auszug aus dem Artikel Wirkung von EMF auf das menschliche Gehirn - ein Überblick aus dem Newsletter 4/2007 der FGF, in dem auch die genannten Referenzen aufgelistet werden.


Mehr Information:

Zusammenfassung:
Gehirn, Kognition und Schlaf
Diese Seite von der Homepage des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms bringt eine Übersicht zu folgenden Themen:
1. Kognitive Leistungsfähigkeit
2. Hirnaktivität im Wachzustand
3. Schlaf
Literaturreview:
Untersuchung der Schlafqualität bei elektrosensiblen Anwohnern von Basisstationen unter häuslichen Bedingungen
Dieses Literaturreview stammt aus dem gleichnamigen Projekt (siehe oben) des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms und beschreibt mehrere Untersuchungen zur Beeinflussung des Schlafs durch elektromanetische Felder (pdf, 390 KB).
Workshop:
Mögliche Einflüsse hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf Schlaf, EEG und kognitive Funktionen
Diesen Fragen sind Experten im November 2007 auf einem internationalen Workshop der FGF in Stuttgart nachgegangen. Repräsentanten verschiedener Arbeitsgruppen, die in letzter Zeit Arbeiten zu diesem Thema veröffentlicht haben, hatten Gelegenheit ihre Resultate zur Diskussion zu stellen.
Zu den Unterlagen auf der Seite "Experten - Workshops der FGF"



 

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Zuletzt geändert: 07.06.09