Brandgefahr an Tankstellen durch Mobiltelefone?

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Warnungen vor Entfachung von Bränden beim Betanken von Autos durch die gleichzeitige Nutzung von Mobiltelefonen.
Experten aus der Mineralöl- und Telekommunikationsindustrie wie auch aus der Forschung haben sich deshalb dieses Themas angenommen und bezeichnen nach ihren Untersuchungen die Meldungen, auf denen solche Warnungen beruhen sollen als sogenannte "urban legends".

"Urban Legends" sind so etwas wie moderne Märchen oder auch Gerüchte, die sich etwa durch Mund-zu-Mund-Erzählungen sowie ständige Wiederholung in (Boulevard-) Medien oder Internetseiten als angebliche Tatsache etablieren.
In diesem Fall beruht diese "urban legend" auf einer der Mineralölgesellschaft Shell zugeschriebenen und per Email weiterverbreiteten "Warnung", welche sich auf eine Reihe von frei erfundenen Vorfällen der explosiven Art beruft.

Tatsache ist jedoch, dass das Petroleum Equipment Institute (PEI) über 150 Fälle von Entzündungen untersucht hat, die nicht durch offene Flammen oder Zündfunken entstanden sind und dabei in keinem von diesen ein beteiligtes Mobiltelefon gefunden hat. Vielmehr schienen diese oft durch Entladungen von statischer Elektrizität entstanden zu sein, wie sie etwa beim Gehen mit Gummisohlen entstehen kann.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch der Soziologe Dr. Adam Burgess von der University of Kent im Jahr 2005. Bei einer Analyse von 243 Feuern auf Tankstellen, die in den letzten 11 Jahren durch Handys verursacht worden sein sollen, stellte er fest, dass keines wirklich mit einem Handy in Verbindung gebracht werden konnte.

Prinzipiell denkbar wären Entzündungen von Benzindämpfen durch Mobiltelefone entweder durch die ausgesandten elektromagnetischen Felder oder durch elektrische Funken, wenn z. B. das Handy herunterfällt und sich die Batterie lockert.

Insgesamt kommen mehrere Institutionen und Untersuchungen zu dem Schluss, dass keine technische Grundlage für die Annahme der Gefährlichkeit der Handynutzung an Tankstellen existiert. Als echte Gefahr wird jedoch die im Alltag häufig vorkommende Entladung statischer Elektrizität gesehen, besonders bei trockener und kalter Luft.

Mehr Information und Referenzen:

Cellphones don't destroy petrol stations - report
Eine Zusammenfassung und Link zu einem Report der australischen Verkehrssicherheitsbehörde vom Juni 2005 zur Brandgefahr an Tankstellen. Darin werden Ursachen der Brandentstehung wie etwa durch statische Elektrizität beschrieben und unter anderem mit der Legende aufgeräumt, dass Handys Tankstellenbrände herbeigeführt hätten.

Cell Phone Usage at Gasoline Stations (Exponent Failure Analysis Associates, USA)
In diesem 15-seitigen Papier werden einige Grundlagen zu Entzündungen von Benzindämpfen vermittelt (252 kB)
Use of Mobile Phones and Portable Radios in Gasoline Stations
Ein Hintergrundpapier von Motorola vom Mai 2004 (42 KB)
Use of Mobile Phones at Petrol Stations
Eine Stellungnahme der Australian Mobile Telecommunications Association (April 2003)
Investigation of the Potential for Wireless Phones to Cause Explosions at Gas Stations
Eine Kurzfassung der Studie an der Universität von Oklahoma
Cellular phones have touched off explosions at gas stations
Auf dieser Seite einer Homepage mit "Urban Legends" wird die Legende von Bränden durch Mobiltelefone weiter ausgeführt.
Referenz 1): Choosing threshold levels for electromagnetic hazards,
IEEE Technology and Society Magazine, Winter 2002/2003, pages 32 - 39.


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Zuletzt geändert: 16.07.05