Beauftragung von Messungen und mehr Information

 
Die vorangegangenen Seiten sollten einen Einblick in die Messtechnik bei Mobilfunkanlagen geben, sei es für die eigene Anwendung oder zum besseren Verständnis bei Messungen durch andere. Auf dieser Seite folgen einige Hinweise zur Problematik der Beauftragung von Messungen sowie als Abschluss einige Verweise zu weiterführenden Informationsquellen.

 

Beauftragung von Messungen


"Wer misst, misst Mist"

Dieser saloppe Spruch unter Messtechnikern bewahrheitet sich selten so vollendet wie im Umfeld der Messung von elektromagnetischen Feldern. Die Angst der Menschen um ihre Gesundheit lockt viele Geschäftemacher und Wichtigtuer auf den Plan, die oft mit fahrlässig geringem Fachwissen und primitivster "Mess"technik ihre Leistungen anbieten, die sich dann meist nicht alleine auf "Messungen" beschränken, sondern auch hin zu furchteinflössenden "Beratungen" oder teuren "Problemlösungen" erstrecken.

Eine gute Sammlung von Hinweisen, wie derartige Probleme vermieden werden können, finden sich in einem Artikel des Elektrosmog-Reports vom Dez. 1999, der hier in einem Auszug wiedergegeben ist:

Kriterien zur Eignungsfeststellung als EMVU-Sachverständiger

Für einen Bedarfsträger, sei es Behörde oder Privatperson, besteht nun häufig das Problem, einen geeigneten Fachmann für die gewünschte Dienstleistung zu finden. Als Hilfestellung sind daher wichtige Qualitätskriterien für objektive, seriöse Prüfinstitute von Nutzen, die eine qualifizierende Einordnung verschiedener Kandidaten erleichtern sollen.
Sehr ausführliche und umfassende Informationen über die Anforderungen an eine sachverständige Stelle zur Durchführung von EMVU-Messungen und Gutachten finden sich in [3]. Dort wird eingehend auf grundsätzliche Anforderungen, die notwendige Fachkunde, sowie die personelle und gerätetechnische Ausstattung von sachverständigen Stellen eingegangen. Die wesentlichen Punkte aus diesem Text und einige zusätzliche erläuternde Anmerkungen sind im folgenden zusammenfassend wiedergegeben:

  • Das durchführende Personal muss eine ausreichende fachliche Qualifikation besitzen. Dazu gehören, neben dem notwendigen physikalischen und messtechnischen Fachwissen, auch Kenntnisse der dazugehörigen Rechts- und Verwaltungsvorschriften sowie der technischen Normen. In der Regel ist diese nur durch ein entsprechendes physikalisches oder technisches Hochschulstudium (Uni, TH, FH) und anschließender praktischer Tätigkeit auf dem Gebiet der Ermittlung von elektromagnetischen Feldern zu erlangen.
  • Zusätzlich sind einschlägige Kenntnisse über die Wirkungen elektromagnetischer Felder auf den Menschen unverzichtbar.
  • Neben dem fachlich Verantwortlichen muss in ausreichendem Maß auch Hilfspersonal mit einschlägiger Ausbildung und praktischer Erfahrung vorhanden sein.
  • Der Fachverantwortliche sollte in der Lage sein, die Randbedingungen, seine Vorgehensweise und Ergebnisse seiner Untersuchungen wissenschaftlich exakt und mit angemessenem Niveau mündlich und schriftlich darstellen zu können. Zusätzlich muss er aber auch die Fähigkeit besitzen, für einen fachlich nicht vorgebildeten Personenkreis einen allgemein verständlichen und aussagekräftigen Bericht abgeben zu können.
  • Ohne eine umfangreiche (= kostspielige) Ausstattung an Messgeräten und Hilfsmitteln (z.B. Berechnungssoftware) ist eine fachlich korrekte Feldstärkeermittlung nicht möglich. Zur Qualitätssicherung muß eine regelmäßige Kalibrierung der Messgeräte vorgenommen werden.
  • Ein potentieller Gutachter sollte Auskunft über seine Ausrüstung, seine Messverfahren, und seine Aus- und Weiterbildung geben können. Zeugnisse, Referenzlisten und Beispielgutachten geben ein Bild über bisher durchgeführte Projekte und die Qualität der Ausführung. Sie zeigen, ob ausreichende Erfahrungen auf dem betreffenden Fachgebiet vorhanden sind.

Bei Beachtung obiger Kriterien kann die Gefahr minimiert werden, an ein "Institut" ohne wissenschaftlichen Background oder einen selbsternannten "Fachmann" mit einem Messgerät aus dem Hobby-Elektronikladen zu geraten, obwohl sich das Thema "Elektrosmog" wegen des gestiegenen Interesses innerhalb der Bevölkerung immer stärkerer Aufmerksamkeit zweifelhafter Geschäftemacher erfreut. Auch "Experten", die Begriffe wie "tödliche Gefahr", "Krebs", "Radioästhesie", "Störfelder" und ähnlich allzu häufig in den Mund nehmen, sind in der Regel nicht für seriöse Gutachten und Beratung geeignet. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen steht meist bereits von vornherein fest. Als "Abhilfe" werden den verunsicherten Auftraggebern nicht selten alle möglichen Arten von Entstörgeräten, Abschirmeinrichtungen, Matratzen, Armbänder und ähnliches angeboten, die zwar nicht die elektromagnetischen Felder, jedoch den Inhalt der Geldbörse des Kunden erheblich verringern.

 

Anbieter von EMVU-Dienstleistungen

Messungen, Gutachten und Beratungen zum Thema "Elektrosmog" werden von Behörden, Labors bzw. Forschungsinstituten und privaten Sachverständigen angeboten. Es können die folgenden Hauptanbietergruppen unterschieden werden.

  • Behörden:

Neben der von Amts wegen für die Überprüfung der Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte bei Funkanlagen zuständigen Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) sei hier auf die Berufsgenossenschaft für Feinmechanik und Elektrotechnik sowie das Bundesamt und die Landesämter für Arbeitsschutz hingewiesen.

  • Akkreditierte EMV-Prüflabors:

Aufgrund ihrer messtechnischen Ausstattung, dem hohem Qualitätssicherungsstandard und der Fachausbildung des Personals sind derartige Labors prinzipiell in der Lage, typische EMVU-Untersuchungen durchzuführen. Voraussetzung ist jedoch, dass das Personal auch in die Problematik und die Gesetzeslage bezüglich EMVU eingearbeitet ist, denn die EMV-Vorschriften für technische Geräte decken sich nicht mit den EMVU-Richtlinien. Eine Referenzliste kann schnell Auskunft über die fachliche Erfahrung des betreffenden Labors geben.

  • Technische Überwachungsvereine:

Auch hier sollte Auskunft über die bisherige Erfahrung auf dem Gebiet EMVU eingeholt werden.

  • Universitäts- und sonstige Forschungsinstitute:

Es existieren in Deutschland eine Anzahl von derartigen Forschungseinrichtungen mit einschlägiger Erfahrungen auf dem Gebiet der EMVU.

  • Ingenieurbüros mit entsprechender Spezialisierung:

Zeugnisse und Referenzlisten können Auskunft über die fachliche Qualifikation bei derartigen privaten Sachverständigenbüros geben. Handelt es sich um öffentlich bestellte Sachverständige, kann in der Regel von Neutralität und Sachkunde ausgegangen werden.

  • Betreiber felderzeugender Anlagen:

Auch die Betreiber von felderzeugenden Anlagen, wie zum Beispiel die Energieversorger, bieten im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit gelegentlich Feldstärkemessungen an.

  • Baubiologen:

Bei diesem Personenkreis sollte die fachliche Qualifikation, die messtechnische Ausstattung und die bisherige Erfahrung besonders sorgfältig überprüft werden, da diese Berufsbezeichnung gesetzlich nicht geschützt ist und daher auch kein allgemeiner Qualitätsstandard für die Ausbildung besteht.

Konkrete Adressen können über die zuständigen Fachbehörden (z.B. Bundesamt für Strahlenschutz, Umweltministerien, Landesämter für Umweltschutz etc.) bzw. über die, für die Bestellung von Sachverständigen zuständigen Institutionen (Industrie- und Handelskammern, Bezirksregierungen) erfragt werden.

Komplettes Original: EMVU-Dienstleistungen und Qualitätskriterien für Gutachen und Beratung

Auch die Strahlenschutzkommission (SSK) hat Anfang 2004 aufgrund ihrer Besorgnis über unqualifizierte Messgutachten eine diesbezügliche Empfehlung erarbeitet und veröffentlicht:

Anforderungen an Sachverständige für die Bestimmung der Exposition gegenüber elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern

 

Mehr Information

Messung hochfrequenter Felder in der Umgebung von Funksendeanlagen: Erfahrungen aus der Praxis
Dieser erste Teil des Beitrags von Prof. Dr.-Ing. M. Wuschek im EMF-Spectrum 2/2012 des WIK behandelt grundsätzliche Messverfahren und Methoden. Der zweiteTeil (in Ausgabe
3/2012) befasst sich mit der praktischen Durchführung unter sicherheitstechnischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten (3.1 und 1.8 MB)
Messung der hochfrequenten elektromagnetischen Immissionen an ortsfesten Funksendeanlagen
Ein sehr informativer Beitrag von Prof. Dr.-Ing. M. Wuschek im Newsletter 3/2008 der Forschungsgemeinschaft Funk (426 KB)
Entwicklung von Mess- und Berechnungsverfahren zur Ermittlung der Exposition der Bevölkerung durch elektromagnetische Felder in der Umgebung von Mobilfunk Basisstationen: Literaturstudie
Im Endbericht zu diesem Projekt des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms wird unter anderem eine ausführliche und hervorragende Übersicht zu Messverfahren vermittelt.
Reg TP MV 09/EMF/3
Messvorschrift der RegTP (heute Bundesnetzagentur) für bundesweite EMVU-Messreihen der vorhandenen Umgebungsfeldstärken (51 kB)


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Zuletzt geändert: 16.12.12