Die Exposition durch Handys

 
Die Exposition durch Handys wird von verschiedenen Faktoren bestimmt, wobei der in diesem Zusammenhang meist allein erwähnte SAR-Wert nur einer davon ist.
Auf dieser Seite wird eine etwas komplettere Einführung in die technischen Aspekte gegeben, auf biologische Wirkungen wird hier jedoch nicht eingegangen.

 

Der SAR-Wert

Der SAR-Wert ist ein Maß für die Absorption von elektromagnetischen Wellen in biologischen Geweben. Aktuell liegt sein zugelassener Maximalwert für Handys in Europa bei 2 Watt/kg (bezogen auf 10g).
Der seit Oktober 2001 von den Herstellern anzugebende, nominale SAR-Wert wird bei Handys durch aufwändige Messungen im Betrieb mit maximaler Sendeleistung ermittelt. Bei der tatsächlichen Nutzung variiert der SAR-Wert jedoch mit der Höhe der Sendeleistung.

Mehr zur Definition des SAR-Werts
Mehr zu SAR-Messungen an Handys

 

Die Abstrahlcharakteristik des Handys

Jedes Handy strahlt seine Leistung beim Senden in einer ihm typischen Weise in den dreidimensionalen Raum ab. Diese Abstrahlcharakteristik hängt nur indirekt mit seinem SAR-Wert zusammen, da dieser ja nur berücksichtigt, wieviel Strahlung im Kopf absorbiert wird. Vorzugsweise soll das Handy die abgestrahlte Leistung möglichst effektiv in andere Richtungen als in den Kopf konzentrieren, was durch entsprechende bauliche Maßnahmen in gewissen Grenzen erreicht werden kann.
Es ergibt sich dabei jedoch das Problem, daß bei starker oder völliger Abschirmung in Richtung Kopf je nach Richtung zur Basisstation die Verbindung abreissen könnte und der Mobiltelefonierer sich in einer bestimmten Richtung hinstellen müsste, um überhaupt ein Gespräch führen zu können.

Mehr zur Abstrahlcharakteristik von Handys

 

Die Leistungsregelung des Handys

Die Sendeleistung von Handys wird je nach Entfernung zur Basisstation bzw. der Güte der Verbindung um bis zu dem Faktor 1000 reduziert. Bei nahen Basisstationen bzw. einer hohen Dichte von Sendemasten wird also die Sendeleistung (und somit der direkt damit zusammenhängende SAR-Wert) sehr stark verringert, wogegen bei weit entfernten Basisstationen mit maximaler Leistung gesendet wird. Diese Einstellung der Sendeleistung wird "ferngesteuert" durch die Basisstation vorgenommen, welche die vom Handy empfangene Leistung permanent misst.
Aus diesem Grund sind auch käuflich zu erwerbenden "strahlenvermindernden" Abschirmungen Unsinn, da der Verlust an Sendeleistung durch Hochregeln wieder ausgeglichen wird.

Mehr zur Leistungsregelung

 

Die Emissionen von GSM-Handys ausserhalb des Gesprächs

Beim Ein- und Ausschalten

Ein Einschalten ("Einbuchen") sendet das Gerät kurzzeitig mit voller Sendeleistung, ebenso beim Ausschalten.
 

Beim Gesprächsaufbau

Zum Aufbau des Gesprächs sendet das Gerät kurzzeitig mit voller Sendeleistung, bis bei stehender Verbindung die Leistungsregelung einsetzt. Im Falle eines eingehenden Gesprächs erfolgt ein Sendebetrieb mit voller Leistung bereits einige Augenblicke bevor das Handy "klingelt".
 

Im Stand-by Betrieb

Wenn das Handy nur eingeschaltet ist, aber jedoch gerade kein Gespräch stattfindet, wird außer unter folgenden Bedingungen kein Signal gesendet:

Beim Empfangen und Senden von SMS

Hierzu wird jeweils eine kurze Verbindung aufgebaut.

 

"Heisse Ohren" durch das Handy?

Ausschlaggebend für die Erwärmung des Ohres ist nach zwei Studien aus Skandinavien und den USA primär die Isolationswirkung des Handys am Ohr. Das Anpressen des Handys bewirkt den gefühlten Wärmestau. Die Verlustwärme des Sendebetriebs, die über die Oberfläche des Handys ebenfalls an das Ohr abgegeben wird, bewirkt noch eine zusätzliche, wenn auch geringe, Temperaturerhöhung. Eine kaum messbare Rolle bei der gefühlten Temperaturerhöhung bewirkt hingegen die HF-Einstrahlung.

Mehr Information auf der Mobilfunk-Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums

 

Niederfrequente Emissionen des Handys

Durch die vom Sendebetrieb abhängig gepulsten Batterieströme des Handys entstehen zusätzlich auch niederfrequente Magnetfelder. Bei Messungen im Auftrag des schweizerischen Bundesamts für Gesundheit (BAG) an fünf Modellen sowohl auch z. B. bei einer Untersuchung aus Finnland wurden dabei vergleichsweise hohe Felder gefunden.

Mobiltelefon (Schweizerisches Bundesamt für Gesundheit, BAG)
Eine umfangreiche Darstellung von Eigenschaften und Strahlung von Mobiltelefonen, dabei im Abschnitt "Niederfrequente Magnetfelder bei GSM" nähere Erläuterung der Thematik.
Assessment of the magnetic field exposure due to the battery current of digital mobile phones
Abstract der finnischen Studie, wie sie in der Zeitschrift Health Physics im Januar 2004 erschienen ist.

 

Zusammenfassung

Objektiv betrachtet ergibt sich die hochfrequente Exposition bei der Nutzung eines Handys durch dessen Abstrahlungcharakteristik und die jeweilige Sendeleistung. Der häufig erwähnte SAR-Wert ist eine reine Hilfsgröße, welche nur die Bedingung "maximale Sendeleistung" und, vereinfacht gesagt, die Senderichtung "Kopf" berücksichtigt.
Bei der tatsächlichen Nutzung eines Handys spielt es aber eine entscheidende Rolle, wie effektiv die vorhandene Sendeleistung in Richtung Basisstation abgestrahlt wird und wie gross die Entfernung bzw. wie die Dämpfung (z. B. durch Mauerwerk) zu dieser ist.
So kann also ein Handy mit einem zwar geringen SAR-Wert, aber sonst ungünstigen Abstrahlungseigenschaften bei dessen Nutzung "belastender" sein als ein anderes, das bei einem zwar höheren SAR-Wert seine Sendeleistung effektiver abstrahlen kann, was zu einer Reduzierung der Sendeleistung führt.

Der ganz wesentliche Einfluss der Entfernung zur Basisstation wird deutlich, wenn man sich die Verhältnisse vor Augen führt:
Der Bereich der SAR-Werte heute üblicher Handys liegt zwischen 0.2 und 1.6 (Faktor 8), wogegen durch die Leistungsregelung eine Reduzierung bis zum Faktor 1000 möglich ist, ganz unabhängig vom Handymodell.

 

"Öko"-Labels und ähnliches

Die aktuellen Diskussionen bezüglich eines Öko-Labels für "strahlungsarme" Handys (Blauer Engel) und dessen etwas übereilt wirkende Einführung im Juni 2002 sind ein rein politischer bzw. medienbeeinflusster Prozess, der kaum von Sachdiskussionen getragen wird.
Die Forderungen bezüglich der Emissionseigenschaften beschränkt sich allein auf eine Begrenzung des SAR-Wertes von 0,6 W/kg.
Da die zwar wesentlich expositionsbestimmende, jedoch völlig umgebungsabhängige Leistungsregelung nicht Bestandteil eines Labels sein kann, ist der tatsächliche Nutzen eines solchen Aufklebers realistisch betrachtet gering bis nicht vorhanden.
Überlegungen, in einer neuen Ausgabe des "Blauen Engels" auch andere Emissionsaspekte als alleine den SAR-Wert einzuführen, wurden noch nicht umgesetzt.

Aus diesem Grund ist die Motivation der Handyhersteller, den "Blauen Engel" mit entsprechendem Verwaltungsaufwand auch wirklich einzuführen und ihren Geräten speziell für Deutschland draufzukleben, auch sehr beschränkt.
Da die SAR-Werte aller Handys mittlerweile angegeben werden, hat der Verbraucher jedoch genügend andere Möglichkeiten, sich ein Modell mit geringem SAR-Wert auszusuchen, so wenig aussagefähig dieser Wert alleine auch sein mag.


Das TCO-Label für Handys

Die schwedische Firma TCO Development hat es sich zum Geschäftsinhalt gemacht, international existierende Normen und Vorschriften für verschiedene elektronische Produkte durch eigene, stets etwas schärfer definierte Normen zu ergänzen. Die Gerätehersteller können dann gegen eine Gebühr ihre Produkte nach diesen TCO-Normen testen lassen und bekommen dafür das "TCO-Label" zuerkannt. Hierdurch soll ein "umweltbewussterer" oder "gesundheitsschützenderer" Anspruch als Wettbewerbsvorteil bzw. Kaufanreiz dargestellt werden.

Nach der erfolgreichen Vermarktung von solchen Labels für verschiedene Produktgruppen (besonders bekannt für Computermonitore), hat TCO Development nun auch ein Label für Handys vorgestellt.
Darin wird neben einer geforderten Begrenzung des SAR-Wertes auf 0,8 W/kg auch eine besonders definierte abgestrahlte Leistung gemessen. Hinzu kommen noch umweltschutzrelevante Angaben und Vorschriften, wie etwa Limitierungen von bestimmten, möglicherweise schädigenden Inhaltsstoffen wie beispielsweise Kadmium oder Quecksilber (was allerdings bereits schon durch andere Normen gefordert wird).
Darüber hinaus werden jedoch auch Vorschriften zu modelltypischen Details gemacht, wie etwa Anordnung und Form der Tasten, wodurch sich schon aus diesem Grund die Begeisterung der Hersteller für dieses Label in Grenzen hält.

 

Mehr Information  

"Blauer Engel" für strahlungsarme Handys (Pressemtteilung der Bitkom vom 14.06.02)
Einige Informationen zum Blauen Engel nach dessen Einführung im Juni 2002.

Vergabegrundlagen für das Umweltzeichen für Mobiltelefone (RAL-UZ 106)
Hier werden ausser den eigentliche Vergabegrundlagen (SAR-Wert und andere Eigenschaften) auch einige Informationen zum Hintergrund dieses Umweltzeichens gegeben.

Strahlenschutzkriterien für ein Mobiltelefon-Ökolabel
Ein Text des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) mit einigen kurzgefassten Informationen zum SAR-Wert von Handys vor dem Hintergrund des neuen "Blauen Engels", inklusive einer Tabelle für aktuelle Handys.

 

 
Navigation zu
  dieser Seite:
        
Homepage Elektrosmoginfo
Menüseite: Expositionen - Messungen, Berechnungen und mehr
    Die Exposition durch Handys                                          
 
Zuletzt geändert: 11.09.09