Expositionen durch Rundfunk- und Fernsehsender

 
Dazu nachfolgend Ausschnitte aus dem Bericht zur Pilotphase aus dem Forschungsvorhaben Epidemiologische Studie zum Zusammenhang zwischen Kinderkrebs und Expositionen um große Sendeeinrichtungen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms (Februar 2006):

UKW - und Fernsehsender

Die UKW- und Fernsehsender strahlen die elektromagnetischen Felder vertikal eng gebündelt als horizontaler Fächer ab. Da die Sendeantennen in der Regel auf hohen Masten oder Türmen montiert sind, muss die Abstrahlebene leicht nach unten geneigt sein, um den Versorgungsbereich optimal abzudecken. In der Folge ergibt sich dort, wo der Hauptstrahl den Boden trifft, ein Bereich maximaler Immission. Dieser Bereich befindet sich typischerweise in einem Abstand von einigen Kilometern vom Sendeturm. Die Immission am Boden ist also in der Nähe des Sendeturms zunächst gering, nimmt dann zu, erreicht nach einigen Kilometern ein Maximum und fällt dann mit weiter zunehmender Entfernung vom Sender erneut ab (NLGA 2002). Die Antennen von UKW- und Fernsehsendern befinden sich häufig auf einem gemeinsamen Mast, der zudem in der Nähe städtischer Gebiete stehen kann.
Bei UHF-Fernsehsendern durchläuft die Leistungsflussdichte mit zunehmender Distanz vom Sender mehrere Maxima und Minima, so dass nur eine geringe Korrelation zwischen Exposition und Distanz vorhanden ist. Dolk et al. (1997) stellten fest, dass die gemessenen Feldstärkewerte um den TV-und Radiosender Sutton Coldfield erst ab 6 km kontinuierlich mit der Distanz abnahmen. Näher zum Sender waren die Messwerte sehr variabel und unabhängig von der Distanz. Im Abstand von 10 km vom Sender betrug die Leistungsflussdichte rund ein Fünftel bis einem Zehntel des Maximalwertes, die Feldstärke demzufolge ungefähr die Hälfte bis ein Drittel (BUWAL 2003).
In Deutschland besteht seit einigen Jahren eine digitale terrestrische Hörfunkversorgung mit dem System DAB (Digital Audio Broadcast), im Band III weitgehend flächendeckend, im LBand nur punktuell. Die Strahlungsleistung der einzelnen Sender, die in einem Abstand von etwa 60 km zueinander stehen, ist mit 1 kW deutlich geringer als beim herkömmlichen UKW-Rundfunk.
Damit bleibt DAB in allen in der Studie zu betrachtenden Expositionsgebieten eine untergeordnete Expositionsquelle. Neben dem digitalen Hörfunk ist in einigen Regionen bereits die terrestrische Versorgung mit Fernsehprogrammen durch digitale Sender (DVB-T) eingerichtet. Die effektive Strahlungsleistung beträgt bis zu 100 kW pro Sendekanal.

 
AM-Sender

Mittelwellensender sind häufig Solitäre und befinden sich in der Regel in ländlich strukturierten Gebieten. Bei gleicher Strahlungsleistung können Sender im Mittelwellenbereich ein größeres Versorgungsgebiet abdecken als UKW- und Fernsehsender. Mittelwellensender strahlen dabei – im Gegensatz zu UKW- und Fernsehsendern – die elektromagnetischen Felder annähernd als Kugelwelle ab. Dabei liegt ausserhalb des oft eingezäunten Nahfeldbereiches eine im Wesentlichen monotone Abnahme der elektrischen und magnetischen Feldstärke mit der Entfernung vor. Ein Bereich mit niedrigen Immissionen in unmittelbarer Nähe der Sendeanlage ist nicht vorhanden (NLGA 2002).

 
Sendeleistung und Messwerte in der Umgebung von Funksendeanlagen

Die UKW-Sender arbeiten mit bis zu 100 kW, die Fernsehsender mit bis zu 500 kW ERP (Dipol). Ergänzend zum Grundnetz versorgen sog. Füllsender diejenigen kleinräumigen Gebiete, die durch die Grundnetzsender nicht erreicht werden können, wie es beispielsweise in einigen Tallagen der Fall ist. Die Strahlungsleistung der Füllsender beträgt nur einige Watt bis etwa 100 Watt. Mittelwellensender können Trägerleistungen bis zu 1000 kW aufweisen. Brüggemeyer (1993) gibt für die typische Leistungsflussdichte eines UKW-Senders mit einer Strahlungsleistung von 100 kW in einem Abstand von etwa 1500 m einen Wert von unter 50 mW/m² an. Für einen Fernsehsender (Frequenzband von 470-890 MHz) mit einer Sendeleistung von 500 kW ergibt sich eine Leistungsflussdichte im Abstand von 1500 m von weniger als 5 mW/m². Die Leistungsflussdichte in Bodennähe eines Mittelwellensenders, der mit einer Trägerleistung von 200 kW sendet, beträgt in einem Abstand von 3000 m zum Sender etwa 2 mW/m² (NLGA 2002).

Beispiele typischer Expositionen:

Quelle Frequenz Leistung Abstand Typische Werte
Mittelwelle 830 kHz
100 kW
100 m
10 V/m
150 kW
3,2 km
0,8 V/m
UKW Rundfunk 87,5–108 MHz
30 kW
3 km
0,6 V/m
100 MHz
100 kW
80 m
8 V/m
VHF-TV 47–68 MHz
25 kW
100 m
1 V/m
UHF-TV 470–890 MHz
100 kW
1 km
0,1 V/m
300 kW
1 km
2 V/m
(Quelle: H. Brüggemeyer)

Diese vorangegangenen Ausschnitte sind teilweise gekürzte und und für das Internet bearbeitete Passagen aus dem kompletten Bericht. Für weitere Informationen sowie zur Referenzierung ist dieser im Original heranzuziehen:

Projekt: Epidemiologische Studie zum Zusammenhang zwischen Kinderkrebs und Expositionen um große Sendeeinrichtungen
Bericht zur Pilotstudie (pdf, 1.3 MB)
Referenzen aus dem Bericht:
 
NLGA 2002:
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (Hrsg). Gesundheitliche Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf die Bevölkerung in Niedersachsen – Bestandsaufnahme und Machbarkeitsüberlegungen. Hannover 2002.
Dolk 1997:
Dolk, H., Elliott, P., Shaddick, G., et al. Cancer incidence near radio and television transmitters in Great Britain. II. All high power transmitters. Am. J. Epidemiol 1997; 145: 10-17.
BUWAL 2003:
BUWAL. Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, (Hrsg). Umweltmaterialien Nr. 162, Nicht-ionisierende Strahlung, Hochfrequente Strahlung und Gesundheit. Bern 2003.
Brüggemeyer 1993:
Brüggemeyer H. Elektrosmog – Auswirkungen von elektromagnetischen Feldern auf den Menschen. Niedersächsisches Umweltministerium (Hrsg.). Hannover 1993.

 

Arten von Rundfunk- und Fernsehanlagen mit Frequenzbereich, Leistung und zugehörigen Grenzwerten

 
Anlage Frequenz (MHz) Strahlungsleistung (E) bzw.
Trägerleistung (T)
Grenzwert EU-Ratsempfehlung Grenzwert
(26. BImschV)
Rundfunksender (Langwelle)
0,15 – 0,29
bis 2000 kW (T)
87 V/m
-
Rundfunksender (Mittelwelle)
0,52 – 1,61
bis 1000 kW (T)
87 - 68 V/m
-
Rundfunksender (Kurzwelle)
2,3 – 26
bis 500 kW (T)
57 - 28 V/m
-
Fernsehsender (VHF I)
47 – 68
bis 100 kW (E)
28 V/m
-
Rundfunksender UKW
87 – 108
bis 100 kW (E)
28 V/m
-
Fernsehsender (VHF III)
174 – 230
bis 100 kW (E)
28 V/m
-
Fernsehsender (UHF)
470 – 790
bis 500 kW (E)
30 - 38 V/m
30 - 38 V/m
 
Strahlungsleistung: Genauer ausgedrückt "Äquivalente isotrope Strahlungsleistung“ (engl. „equivalent isotropic radiated power“, EIRP).
Die EIRP einer Sendeanlage ist diejenige Leistung, mit der man eine in alle Raumrichtungen gleichmäßig (isotrop) abstrahlende Antenne versorgen müsste, um im Fernfeld dieselbe Leistungsflussdichte zu erreichen wie mit einer bündelnden Richtantenne in ihrer Hauptsenderichtung.
Für Mittelwellensender gilt als Maß die EMRP (Effective Monopole Radiated Power). Die Größe EIRP ist hier nicht sinnvoll, da die Strahlung nur in einem Halbraum erfolgt.
Trägerleistung:
Leistung der Trägerwelle am Senderausgang bei amplitudenmodulieten Sendern; sie beschreibt die Leistung des modulierten Gesamtsignals, das sich aus der Trägerwelle und den Modulationsseitenbändern zusammensetzt. Sie hängt vom jeweiligen Modulationsinhalt ab und kann bis zum 1,5-fachen der Leistung der Trägerwelle betragen

 

Mehr Information

Bestimmung der Exposition der Bevölkerung in der Umgebung von digitalen Rundfunk und Fernsehsendern
Ziel der Untersuchung im Rahmen des Deutschen Moblfunk-Forschungsprogramms war es, mittels Rechnersimulationen und Messkampagnen die von DAB und DVB-T Sendeanlagen verursachte Exposition der Bevölkerung durch elektromagnetische Felder zu quantifizieren und hinsichtlich einschlägiger Normen zu bewerten. Die Ergebnisse wurden mit den durch die bislang vorherrschenden analogen Fernseh- und Rundfunknetze hervorgerufenen Expositionen verglichen.
DAB – Aspekte der Strahlungsemission
Eine Beschreibung des "Digital Audio Broadcasting" (DAB) Rundfunksystems, aus dem Newsletter 3/2004 der Forschungsgemeinschaft Funk (117 kB).

Funkwellenmessprojekt in Baden-Würrtemberg
Von Oktober 2001 bis März 2003 waren an 895 Messpunkten in den Regionen Stuttgart, Mannheim/Heidelberg, Oberschwaben und Freiburg elektromagnetische Funkwellen (TV, Radio, Funk, Handy) ausgewertet worden. Das Messgebiet umfasste rund zehn Prozent der Fläche Baden-Württembergs, in der mit mehr als drei Millionen Einwohnern ein Drittel der Bevölkerung lebt. In einem Radius von zwei Kilometern war jeweils ein Messpunkt installiert worden.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen in der Nähe von Rundfunk- und Fernsehsendern?

 

 

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Zuletzt geändert: 14.10.08