Richtfunktechnik bei Mobilfunkanlagen


Die Mobilfunk-Basisstationen (Sendemasten) sind für sich alleine aufgebaut nicht funktionsfähig, sondern müssen zur Übertragung der Mobiltelefon-Gespräche über spezielle Vermittlungsstellen an das normale Telefonnetz angeschlossen werden. Zur Anbindung an diese Vermittlungsstellen werden entweder Kabel oder eben Richtfunkverbindungen verwendet, wobei letztere oft mit weniger Aufwand zu installieren sind.
Die dafür notwendigen Richtfunkanlagen sind bei den Mobilfunkstationen durch einzelne zusätzliche, meist runde Antennen zu erkennen.

 
Prinzipielle Typen von Richtfunkanlagen

Je nach Verwendungszweck werden unterschiedliche Arten von Richtfunkanlagen eingesetzt, wobei stets eine Sichtverbindung zwischen den einzelnen Stationen bestehen muss. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen folgenden Anwendungsgebieten:

 
Für Weitverkehr (Long-Haul)

Dies sind grosse, auf einem hohen Turm installierte Anlagen für Entfernungen bis zu 100 km. Sie dienen hauptsächlich zur Übertragung innerhalb von Fernmeldenetzen und arbeiten im Frequenzbereich von 3 bis 13 GHz.

 
Für Kurzstrecke (Short-Haul)

Solche Anlagen werden zur Anbindung von Mobilfunk-Basisstationen oder auch zu Übertragungen z. B. zwischen zwei Firmenstandorten eingesetzt. Sie arbeiten im Frequenzbereich zwischen 18 und 38 GHz, die Reichweite beträgt einige Kilometer.

 
Punkt zu Mehrpunkt (PMP)-Verbindungen

Mit diesen Anlagen werden von einem System mehrere Teilnehmer angebunden, z. B. mehrere unterschiedliche Mobilfunk-Basisstationen an eine gemeinsame Vermittlungsstelle. Hauptanwendung für solche Anlagen ist jedoch die Anbindung von (Telefon)-Endteilnehmern als Ersatz von festen Ortsleitungen ("schnurlose letzte Meile"). Eine andere Bezeichnung für eine solche Verbindung ist auch WLL (Wireless Local Loop, drahtloser Teilnehmeranschluss).
Diese Systeme arbeiten zur Zeit im Frequenzbereich zwischen 3,5 und 28 GHz, die Reichweite ist einige Kilometer. Besonders bekannt ist das im 28 GHz-Bereich arbeitende LMDS (Local Multipoint Distribution System).

 

Hochfrequenztechnische Aspekte

Nachfolgend werden einige grundlegende "Elektrosmog"-relevanten Aspekte für die in der Mobilfunktechnik verwendeten Kurzstrecken- und PMP-Richtfunkanlagen beschrieben:

 
Beim Kurzstrecken-Richtfunk:

Dies sind beim Mobilfunk überwiegend eingesetzten Anlagen, sie dienen zur Verbindung zwischen einzelnen Basisstationen. Da diese natürlich ortsfest sind, werden stark bündelnde, genau ausgerichtete Richtantennen mit einem Öffnungswinkel von 1...4 Grad verwendet (gegenüber z. B. 65 Grad bei einer normalen Mobilfunk- Sektorantenne).
Aufgrund dieser stark bündelnden Antennen können die Anlagen mit einer geringen Sendeleistung arbeiten, üblich sind Sendeleistungen von unter 100 mW bis zu maximal 1 Watt.


Verschiedene Richfunkantennen für Mobilfunk an einem Antennenmast

Die Immission auf benachbarte Gebäude:

Eine Kurzstrecken-Richtfunkanlage strahlt aufgrund ihrer stark bündelnden Richtantenne nur sehr wenig ausserhalb ihrer Hauptsenderichtung (die zudem Sichtverbindung haben muss, damit also hindernisfrei ist).
So beträgt bei einer typischen Anlage z. B. in einem Abstand von 50 Meter, einem Winkel von 30 Grad zur Antenne und einer angenommenen Sendeleistung von 50 mW die Leistungsflussdichte lediglich 0,0016 mW/m².

 

Beim PMP-Richtfunk

Da hier zwar ebenso wie bei anderen Richtfunkstrecken ortsfeste Teilnehmer angebunden werden, davon jedoch mehrere an verschiedenen Orten, werden je nach Anlagenarchitektur unterschiedliche Antennentypen benutzt. Es gibt sowohl relativ breit abstrahlende Sektorantennen, welche z. B. einen Bereich von 90 Grad abdecken, als auch stark bündelnde Richtantennen mit einem Öffnungswinkel von nur 2 Grad.
Damit sind die Aussendungen je nach Antennentyp auch durchaus mit denen vom Mobilfunk vergleichbar. Allerdings werden auch hier nur vergleichsweise geringe Sendeleistungen bis maximal ein Watt benutzt.

 

Mehr Information

Anforderungen für den Richtfunk
Eine Informationsschrift mit vielen technischen Details zur Richtfunktechnik (1.7 MB).

 


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Zuletzt geändert: 01.05.09